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Ein Fluginsekt, genauer ein Taubenschwänzchen, saugt mit seinem langen Rüssel an einer lilanen Blume

Biodiversität an der Universität Bayreuth

Die biologische Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen bildet die Lebensgrundlage für den Menschen. Doch die Biodiversität ist durch menschliches Eingreifen gefährdet. Dr. Stephanie Thomas, Expertin der Uni Bayreuth, will als Teil des Weltbiodiversitätsrates in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür schaffen.

Landnutzungswandel zur Produktion von Lebensmitteln, Holznutzung, Fischerei, Jagd, Einschleppung gebietsfremder Arten und der Klimawandel tragen wesentlich zum Rückgang der Artenvielfalt bei. Die Zahlen sind besorgniserregend: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ging zum Beispiel die Biomasse von Wildsäugetieren um 82 Prozent zurück. In 62 Naturschutzgebieten in Deutschland nahm die Biomasse von Fluginsekten in nur 27 Jahren um 75-80 Prozent ab.

Begriffserklärung

Biodiversität ist  – kurz gesagt  – die Vielfalt der Lebewesen und der von ihnen gebildeten Ökosysteme.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben festgestellt, dass die aktuelle Aussterberate von Tier- und Pflanzenarten um mehrere 10 bis mehrere 100-mal über der Aussterberate der vergangenen 10 Millionen Jahre liegt. Sie sprechen daher nach den fünf erdgeschichtlichen Massenaussterben vom menschengemachten sechsten Massenaussterben.

Was bedeutet der Biodiversitätsverlust für den Menschen?

Für den Menschen hat Rückgang der Biodiversität beträchtliche Folgen. Am gravierendsten sind wohl die Einschränkung oder sogar der Verlust von Ökosystemdienstleistungen. Darunter fallen

  • sauberes Wasser
  • Nahrung
  • Gesundheit
  • gute Luft
  • Bekleidung
  • Bau- und Brennmaterial

Auch Erholung kann betroffen sein. Menschen fühlen sich mit der Natur auch im kulturellen, traditionellen und religiösem Sinne verbunden.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES

Eine zentrale Rolle zum Erhalt der Biodiversität spielt die Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, also der Weltbiodiversitätsrat IPBES. Er ist die globale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik. Gegründet wurde er im Jahr 2012 von den Vereinten Nationen (UN), um dem anhaltenden Verlust der biologischen Vielfalt und der Zerstörung von Lebensräumen wirksamen entgegenzutreten. Dabei hat man sich zum Ziel gesetzt, politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern Informationen über den Status quo und die zukünftige Entwicklung der biologischen Vielfalt an die Hand zu geben. Um das zu erreichen, will IPBES wissenschaftlich unabhängig bleiben, eine transparente Arbeitsweise gewährleisten und politikrelevant sein.

Dafür nehmen Regierungsvertreterinnen und -vertreter von 139 Ländern an jährlichen Vollversammlungen teil, um sich über den aktuellen Wissensstand zu ausgewählten Themen wie gebietsfremde Arten, Bestäubung oder Nutzung wildlebender Tierarten zu informieren und mögliche Maßnahmen zu beraten. 

Im Vorfeld erarbeiten Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft Gutachten. Drei Jahre dauert es, bis die relevanten Daten gesammelt, Fakten beurteilt und ein Abschlussdokument erstellt ist. Dieses Dokument wird dann in der Vollversammlung mit den Regierungsvertretern diskutiert, verabschiedet und für die Allgemeinheit zugänglich zur Verfügung gestellt. Beim im Jahr 2022 gestarteten Prozess sind zehn deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt, darunter die Bayreuther Expertin Dr. Stephanie Thomas. 

Der IPBES und das Volksbegehren "Rettet die Bienen"

Der Bewertungsbericht über Bestäuber, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion, erschienen 2016, löste in Bayern Reaktionen aus: das Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“. Es war das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte des Freistaats: Über 1,7 Millionen Wahlberechtigte hatten sich vom 31. Januar bis zum 13. Februar 2019 in ihren Rathäusern dafür eingetragen.

Expertise made in Bayreuth: Dr. Stephanie Thomas

Auch die Universität Bayreuth ist im IPBES vertreten. Dr. Stephanie Thomas, derzeit Postdoc am Lehrstuhl für Biogeographie, fungiert als Leitautorin für Kapitel 3 des anstehenden "Nexus Assessment", dem Bericht zur Beurteilung der Verknüpfungen zwischen Biodiversität, Wasser, Nahrung und Gesundheit.

Zur Person

Profilbild Stephanie Thomas

Dr. Stephanie Thomas ist seit 2014 Postdoc am Lehrstuhl für Biogeographie an der Universität Bayreuth. Zuvor hat sie dort Geoökologie mit dem Schwerpunkt Biogeographie studiert. Als Ökologin ist es ihr Ziel, die Zusammenhänge zwischen biologischer Vielfalt, Klimawandel und der Gesundheit von Mensch und Tier besser zu verstehen. 

Ihr derzeitiges Forschungsinteresse konzentriert sich auf Krankheitsüberträger wie Stechmücken oder Zecken, sog. Vektoren, und die von diesen übertragenen Pathogene wie zum Beispiel das neu in Deutschland auftretende West Nil Fieber. Für Bayern hat sie zusammen mit Kolleginnen und Kollegen am Lehrstuhl ein Prototyp für ein Frühwarnsystem zu mückenübertragenen Krankheiten entwickelt, basierend auf verschiedenen Modelansätzen und einer Vielzahl von Umweltdaten. Diese Expertise, zusammen mit der Neugier über den Tellerrand der eigenen Fachdisziplin hinauszuschauen, sind Grundlage für das Engagement in IPBES.

Dr. Stephanie Thomas leitet und beteiligt sich an mehreren interdisziplinären Projekten mit Partnern aus verschiedenen europäischen Ländern.

Als Leitautorin besteht ihre Aufgabe darin, in engem Austausch mit den anderen Expertinnen und Experten den aktuellen Wissensstand zusammenzufassen und zu bewerten, komplexe Zusammenhänge allgemeinverständlich zu formulieren und Wissenslücken aufzuzeigen. Die Autorenteams eines Kapitels treffen sich regelmäßig virtuell und in Person. Alle Autorinnen und Autoren des gesamten Nexus Assesments – das können 100 bis 200 Forschende sein – treffen sich einmal jährlich in Person. 

Der IPBES gibt den Auflaufsplan für die Erstellung des Gutachtens sehr strukturiert vor. Nach einem stichpunktartigen Erstentwurf, werden zwei weitere Entwürfe erstellt. Anschließend entsteht bis ein vorerst finales Dokument, das dann mit den Regierungsvertretern besprochen wird, nochmals angepasst wird und dann veröffentlicht wird. Dabei ist es wichtig, dass Transparenz gewährleistet ist. Die Entwürfe werden regelmäßig zur Überarbeitung der Öffentlichkeit freigegeben und alle Kommentare werden in strukturierter Form eingearbeitet bzw. beantwortet. So können sich alle Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit weltweit an der Erstellung des Berichtes beteiligen.