Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 065/2026, 26.08.2026
Universität Bayreuth: Studie identifiziert Einsparpotenziale beim Materialbedarf des Windenergieausbaus
Eine aktuelle Studie der Universität Bayreuth untersucht die materiellen Anforderungen des Windenergieausbaus in Deutschland und zeigt Wege auf, wie sich der Ressourcenbedarf künftig reduzieren lässt. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Materialströme von Windenergieanlagen sowie die Frage, wie durch ressourceneffizientes Repowering und die Wiederverwendung bestehender Infrastruktur Material eingespart werden kann. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Resources, Conservation & Recycling veröffentlicht.
Für ihre Analyse rekonstruierten die Forschenden die Entwicklung des deutschen Windenergieanlagenbestands seit 1988 und modellierten verschiedene Szenarien für dessen Weiterentwicklung bis 2050. Betrachtet wurden dabei unter anderem die Materialbedarfe für Beton, Stahl, Kupfer, Aluminium, Polymere und Verbundwerkstoffe. Die Untersuchung macht deutlich, dass der weitere Ausbau der Windenergie mit einem erheblichen Bedarf an Materialien verbunden ist. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die konkrete Ausgestaltung von Repowering-Maßnahmen entscheidend für die Ressourceneffizienz ist. Insbesondere die Wiederverwendung von Fundamenten, Infrastrukturkomponenten und weiteren Anlagenteilen kann den Materialbedarf deutlich verringern.
Die Studie analysiert Materialströme und Ressourceneffizienz im Windenergiesektor. Vor dem Hintergrund der Ausbauziele für die Windenergie untersucht sie, wie sich der künftige Ausbau möglichst ressourcenschonend gestalten lässt. Damit liefert sie wissenschaftliche Grundlagen für die Bewertung von Materialbedarfen und Einsparpotenzialen bei Windenergieanlagen.

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„Unser Ziel war es, die materiellen Anforderungen unterschiedlicher Ausbau- und Repoweringpfade systematisch zu untersuchen und Potenziale für Materialeinsparungen sichtbar zu machen“, betont Christoph Helbig, Professor für Ökologische Ressourcentechnologie, Co-Autor der Studie. „Die Ergebnisse zeigen, dass Wiederverwendungsstrategien ein wichtiger Hebel sein können, um Ressourceneffizienz und Ausbauziele miteinander zu verbinden.“ Das Recycling von Windkraftanlagen nach deren Nutzung war explizit nicht Bestandteil der Analyse.
In der öffentlichen Diskussion wird häufig auf die absoluten Materialmengen verwiesen, die für den Bau und die Erneuerung von Windenergieanlagen benötigt werden. Die Studie bestätigt, dass Windenergieanlagen aus erheblichen Mengen unterschiedlicher Rohstoffe bestehen und deren Ausbau entsprechende Ressourcen erfordert. Die zentrale wissenschaftliche Aussage der Untersuchung liegt jedoch nicht allein in der Quantifizierung dieser Materialbedarfe. Ein wesentlicher Befund betrifft vielmehr die Möglichkeiten, den zukünftigen Ressourcenverbrauch durch geeignete Repowering-Strategien zu senken. Repowering bezeichnet den Ersatz älterer Windenergieanlagen durch moderne, leistungsstärkere Anlagen. Im Repoweringszenario, bei dem die Fundamente, Türme und Teile der Windpark-Infrastruktur wiederverwendet werden, reduziert sich für den Onshore-Windausbau der Bedarf an Beton um 14 %, an Stahl um 10 % und an Kupfer um 7 % im Vergleich zum Repowering ohne Wiederverwendung. Für die deutschen Offshore-Windparks sinkt im Repowering-Szenario mit Wiederverwendung der Infrastruktur der kumulierte Kupferbedarf um 11 %. Die Analyse zeigt, dass insbesondere Wiederverwendungsansätze bei Fundamenten und Infrastrukturkomponenten substanzielle Materialeinsparungen ermöglichen können.
Die Forschenden sehen ihre Arbeit als Beitrag zu einer faktenbasierten Bewertung von Ressourcenfragen im Energiesektor. Materialbedarfe, Rohstoffverfügbarkeit, Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft gewinnen im Zuge der Transformation des Energiesystems zunehmend an Bedeutung. Die Studie liefert hierfür quantitative Grundlagen und zeigt auf, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, um den Ressourceneinsatz im Windenergiesektor zu reduzieren.
Die Universität Bayreuth weist darauf hin, dass sich aus den Ergebnissen der Studie keine pauschalen Aussagen für oder gegen eine bestimmte Energietechnologie ableiten lassen. Die Untersuchung liefert vielmehr wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie sich Materialflüsse entwickeln und welche Optionen zur Verbesserung der Ressourceneffizienz zur Verfügung stehen.
Originalpublikation:
Riccarda Hieke, Christoph Helbig: Savings potential for material requirements through repowering in the German wind power expansion, Resources, Conservation & Recycling, 2026, https://doi.org/10.1016/j.resconrec.2026.108981. Open Access (CC BY 4.0)

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