Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 69/2026, 09.09.2026
Die Psyche isst mit: Bayreuth startet Forschung in neuem EU-Projekt
Das Horizon-Europe-Projekt BEETHOVEN untersucht den Zusammenhang von Ernährung, Darm-Hirn-Achse und psychischer Gesundheit. Die Universität Bayreuth leitet Forschungen zu sozialen, kulturellen und geografischen Einflussfaktoren.

What for?
Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen zählen zu den größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit in Europa. Gleichzeitig zeigen immer mehr Studien, dass Ernährung einen wichtigen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden haben kann. Doch bislang ist nur unzureichend verstanden, wie biologische Faktoren, Lebensumstände und Ernährungsverhalten zusammenwirken. Das Projekt BEETHOVEN soll dazu beitragen, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln, die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen tatsächlich erreichen und unterstützen
Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen gehören europaweit zu den größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit. Gleichzeitig wächst die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Ernährung einen wichtigen Einfluss auf psychisches Wohlbefinden und mentale Gesundheit haben kann. Doch welche Zusammenhänge tatsächlich bestehen, welche biologischen Mechanismen dabei eine Rolle spielen und wie soziale Lebensbedingungen diese Beziehungen beeinflussen, ist bislang nur teilweise verstanden. Genau hier setzt das neue europäische Forschungsprojekt BEETHOVEN an, das am 1. September 2026 gestartet ist.
BEETHOVEN steht für „Linking Brain, Environment and Ecosystems Through Holistic Omics and Validated Evidence-based Nutrition Guidelines“. Das im EU-Forschungsprogramm Horizon Europe geförderte Projekt vereint Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern. Gemeinsam wollen sie untersuchen, wie Ernährung, Darmmikrobiom, Umweltfaktoren und soziale Lebensbedingungen zusammenwirken und welchen Beitrag sie zur Prävention und zum Management psychischer Erkrankungen leisten können. Ziel ist die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Ernährungsempfehlungen, die nicht nur biologisch wirksam, sondern auch im Alltag verschiedener Bevölkerungsgruppen umsetzbar sind.
Die Universität Bayreuth übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Jun.-Prof. Dr. Tina Bartelmeß, Juniorprofessorin für Ernährungssoziologie am Campus Kulmbach, leitet das Arbeitspaket „Socio-Economic, Cultural, and Geographic Factors on Dietary Behaviour“. Für die Forschungsarbeiten an der Universität wurden knapp 500.000 Euro Fördermittel eingeworben.
Welche Faktoren prägen Ernährungsverhalten?
Im Fokus des Bayreuther Teams steht eine Frage, die in der Ernährungs- und Gesundheitsforschung häufig vernachlässigt wird: Warum wirken Ernährungsempfehlungen nicht für alle Menschen gleichermaßen? Ernährungsverhalten entsteht nicht allein durch individuelles Wissen oder persönliche Entscheidungen. Es wird wesentlich durch Faktoren wie Einkommen, Bildung, Wohnort, kulturelle Normen, familiäre Strukturen und den Zugang zu Lebensmitteln geprägt. Diese Rahmenbedingungen beeinflussen nicht nur, was Menschen essen, sondern auch ihre gesundheitlichen Chancen.
Das von der Universität Bayreuth geleitete Arbeitspaket untersucht deshalb, wie sozioökonomische, kulturelle und geografische Faktoren den Zusammenhang zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit beeinflussen. Geplant sind unter anderem eine länderübergreifende Befragung in fünf europäischen Staaten sowie eine Citizen-Science-Studie, bei der Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Forschung eingebunden werden. Die Ergebnisse sollen unmittelbar in die Entwicklung neuer evidenzbasierter Ernährungsempfehlungen einfließen.
Besonders innovativ ist der interdisziplinäre Ansatz des Projekts. Die Forschenden verbinden sozialwissenschaftliche Perspektiven mit klinischen und präklinischen Studien, Biomarker- und Omics-Forschung sowie Untersuchungen zur Darm-Hirn-Achse. Damit sollen biologische, ökologische und gesellschaftliche Faktoren erstmals in einem gemeinsamen Forschungsrahmen betrachtet werden. Die Projektpartner erhoffen sich dadurch ein deutlich umfassenderes Verständnis darüber, wie Ernährung und psychische Gesundheit miteinander verknüpft sind und welche Maßnahmen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen tatsächlich unterstützen können.
„Wenn Ernährungsempfehlungen in der Praxis funktionieren sollen, müssen wir soziale Ungleichheiten und unterschiedliche Lebensbedingungen von Anfang an berücksichtigen. Genau diese Perspektive bringen wir in BEETHOVEN ein“, sagt Jun.-Prof. Dr. Tina Bartelmeß.
Das offizielle Kick-off-Treffen fand am 2. und 3. September 2026 an der Universität für Weiterbildung Krems in Österreich statt, die das internationale Konsortium koordiniert. In den kommenden vier Jahren werden die Partner gemeinsam daran arbeiten, neue wissenschaftliche Grundlagen für eine personalisierte und zugleich sozial anschlussfähige Ernährungsprävention im Bereich psychischer Gesundheit zu schaffen. Das Projekt läuft bis zum 31. August 2030.



Prof. Dr. Tina BartelmeßJuniorprofessur für Ernährungssoziologie
Telefon: 09221 / 407-1120
E-Mail: tina.bartelmess@uni-bayreuth.de
https://www.food-sociology.uni-bayreuth.de/

Dr. Stefan Fehm-DanoglidisPressesprecher, Hochschulkommunikation
Telefon: 0921 / 55-5300
E-Mail: pressestelle@uni-bayreuth.de
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