Pro Semester studieren derzeit zwischen fünf und zehn Spitzensportler an der Universität Bayreuth. Das Ziel ist klar definiert: Den Studierenden soll der Weg zu mindestens einem Bachelorabschluss geebnet werden – unabhängig davon, ob dieser in der Regelstudienzeit oder durch individuelle Planung über einen längeren Zeitraum erreicht wird. Die Universität sieht darin eine entscheidende Chance, jungen Talenten eine berufliche Perspektive zu geben, die über den sportlichen Erfolg hinausreicht.
Die Spitzensportlerquote: Zugang trotz hoher Belastung
Um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden, wurde in Bayreuth eine spezielle Spitzensportlerquote eingeführt. Diese macht etwa zwei Prozent der Studienplätze aus und ermöglicht es pro Jahrgang im Schnitt einer Person, ein Studium aufzunehmen, auch wenn der Abiturschnitt aufgrund der zeitintensiven Sportkarriere während der Schulzeit nicht ausgereicht hätte.
Besonders relevant ist dies im Studiengang Sportökonomie: Da hier der klassische Sporteignungstest weggefallen ist, haben Noten heute ein höheres Gewicht bei der Zulassung. Die Quote fängt diesen Nachteil für Kaderathleten gezielt auf. Bewerbungen für dieses Verfahren können jährlich in den Monaten Juli und August bei der Studierendenkanzlei eingereicht werden.
Unterstützung über alle Fachbereiche hinweg
Die Förderung der Universität Bayreuth beschränkt sich nicht nur auf sportnahe Studiengänge. „Oft melden sich Sportler gar nicht bei uns, weil sie glauben, unsere Unterstützung gelte nur für das Sportstudium“, erklärt Dr. Uwe Scholz vom Bayreuther Zentrum für Sportwissenschaft (BaySpo). Tatsächlich profitieren Athleten in unterschiedlichsten Fachrichtungen von der Unterstützung: Aktuell studiert unter anderem ein Triathlet Jura in Bayreuth. Ebenso ist eine Biathletin hier eingeschrieben, aber in einem naturwissenschaftlichen Studium. Vom BBC Bayreuth sind aktuell zwei Profi-Basketballer für ein Studium eingeschrieben. Einer davon hat sich die Spitzensportlerquote zu Nutze gemacht.
„Für mich ist das eine Chance gewesen, die ich so in Deutschland sonst nirgendwo erhalten hätte“, sagt Leroy Ikejiaku. Der junge Basketballer ist im Herbst nach Bayreuth gekommen. Seither spielt er für den BBC und studiert gleichzeitig Sportökonomie. Sein Teamkollege Noah Wabersich ist schon zwei Semester weiter. „Es ist wirklich toll, wie die Verantwortlichen hier an der Uni Bayreuth sich darum kümmern, dass wir trotz des vollen Trainingsplans ein Studium absolvieren können“, sagt er.
Ein System mit Vorbildcharakter
Insgesamt gilt die Situation für Spitzensportler in Deutschland im Vergleich zu den USA oft als schwierig, da sich Trainings- und Studienzeiten hierzulande schwerer vereinbaren lassen. Die Universität Bayreuth versucht hier einen Gegenakzent zu setzen. Dass sich auch für die Studierenden dieser Aufwand lohnt, zeigt der Blick auf den Arbeitsmarkt. Personaler schätzen Absolventen mit Spitzensport-Background besonders, da diese eine außergewöhnliche Disziplin und Belastbarkeit mitbringen.