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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 044/2026, 12.06.2026

Neuer Weg für sichere und nachhaltige Synthesechemie

Für die chemische Industrie sind Oxidationsreaktionen unverzichtbar, gehören allerdings aus Sicht der Prozesssicherheit zu den anspruchsvollsten Umwandlungen. Ein Forschungsteam der Universität Bayreuth hat in Zusammenarbeit mit internationalen Forschenden nun einen grundlegend neuen Ansatz für die Oxidationsreaktion vorgestellt, in dem Kohlendioxid als Sauerstoffquelle für die chemische Synthese verwendet wird. Dadurch wird die Reaktion sicherer und nachhaltiger. Über den neuen Ansatz berichten die Forschenden im renommierten Fachjournal Science.

Drei Forschende vor einem Bild des Rondells am Campus der Uni Bayreuth

v.l.n.r.: Prof. Dr. Shoubhik Das, Dr. Yuman Qin und Dr. Peng Ren.

What for? 

Oxidationsreaktionen ermöglichen die Herstellung von Pharmazeutika, Polymeren, Duftstoffen und Kraftstoffen. Allerdings sind diese Reaktionen mit einem Sicherheitsrisiko verbunden: Häufig beruhen konventionelle Oxidationsmethoden auf molekularem Sauerstoff oder hochreaktiven Oxidationsmitteln, mit denen Entflammbarkeit, Explosionsgefahr oder die Entstehung gefährlicher Abfälle einhergehen. Durch die Verwendung von Kohlendioxid als Sauerstoffquelle für die Oxidationsreaktion werden viele dieser Probleme umgangen: CO2 ist reichlich vorhanden, ungiftig, nicht brennbar und deutlich sicherer im Umgang als klassische Oxidationsmittel. Damit liefert der Bayreuther Ansatz eine Alternative zur konventionellen Oxidationschemie, bei der betriebliche Gefahren reduziert, die Prozesssicherheit verbessert und die Entstehung schädlicher Nebenprodukte minimiert werden.

Oxidationen lassen sich nicht nur im Alltag beobachten, beispielsweise wenn Eisen rostet oder Kraftstoffe verbrennen, sondern sind auch für die Industrie unabdingbar: Indem Moleküle durch Oxidation umgebaut werden, entstehen Wirkstoffe oder Vorstufen von Kunststoffen. Manche alltäglichen Materialien wie Farbe oder Lack härten erst durch Oxidation aus. Im großtechnischen Maßstab, wo Sicherheit und Kontrollierbarkeit von zentraler Bedeutung sind, werden Oxidationsreaktionen nach Möglichkeit jedoch vermieden, da sie Sicherheitsrisiken darstellen. Viele Oxidationen erzeugen Wärme, wodurch sich die Reaktion beim sogenannten thermischen Durchgehen immer weiter hochschaukeln kann, bis es zu Bränden oder Explosionen kommt. Insbesondere, wenn Sauerstoff als Oxidationsmittel eingesetzt wird, besteht Explosionsgefahr. Doch auch andere Oxidationsmittel sind wegen ihrer chemisch aggressiven Eigenschaften schwer zu kontrollieren.

„Vor diesem Hintergrund haben wir einen neuen Ansatz entwickelt, bei dem Kohlendioxid als Sauerstoffquelle für Oxidationsreaktionen dient. Dieser Durchbruch macht CO2 von einem rein inerten Treibhausgas zu einem wertvollen Synthesereagenz“, sagt Prof. Dr. Shoubhik Das vom Lehrstuhl Organische Chemie I der Universität Bayreuth und Letztautor der Studie. In ihrer Arbeit demonstrieren die Forschenden erstmals ein Sauerstoffübertragungssystem, das durch Licht angetrieben wird und CO2 direkt für die oxidative Spaltung von Alkenen unter Umgebungsbedingungen nutzt. Viele Kunststoffe entstehen aus Alkenen, weshalb diese Stoffe für die Industrie von enormer Wichtigkeit sind. „Ermöglicht durch einen robusten heterogenen Photokatalysator auf Eisenbasis verläuft die Reaktion bei Raumtemperatur und Normaldruck ohne gefährliche Oxidationsmittel oder unter Druck stehenden Sauerstoff. Dadurch wird die Reaktion sicherer als herkömmliche Oxidationen“, so Das. Durch die lichtgetriebene Reaktion ist der Ansatz zudem energieeffizient.

„Über die Erschließung einer neuen Reaktion hinaus eröffnet unser Ansatz einen Weg zu Oxidationsprozessen, die den wachsenden Anforderungen an industrielle Sicherheit, Nachhaltigekeit und grüne Produktion entsprechen. Letztlich trägt unsere Forschung zu einer Zukunft bei, in der grundlegende chemische Umwandlungen mit Blick auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung entwickelt werden“, sagt Das.

Die Studie entstand aus einer internationalen Zusammenarbeit zwischen der Universität Bayreuth, dem Leibniz-Institut für Katalyse, dem CNR Institute of Chemistry of Organometallic Compounds, dem CNR Institute for Chemical and Physical Processes, der Stockhol University, der Jagiellonian University, dem State Key Laboratory of Low Carbon Catalysis and Carbon Dioxide Utilization und dem Politecnico di Milano. Gefördert wurde die Studie durch einen DTU Grant (2035-00147B) sowie ein start-up Funding der Universität Bayreuth.

Originalpublikation: Yuman Qin et al. Photocatalyzed oxidative cleavage of alkenes using CO2 as an oxygen donor. Science (2026)

DOI: https://doi.org/10.1126/science.aed6068

Prof. Dr. Shoubhik Das

Prof. Dr. Shoubhik Das

Inhaber des Lehrstuhls Organische Chemie I

Telefon: 0921 / 55-2671
E-Mail: shoubhik.das@uni-bayreuth.de

Theresa Hübner

Theresa Hübner

Stellv. Pressesprecherin
Universität Bayreuth

Telefon: 0921 / 55-5357
E-Mail: theresa.huebner@uni-bayreuth.de