Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 064/2026, 25.08.2026
Wie KI Finanzentscheidungen beeinflusst
Wie stark kann KI unsere Finanzentscheidungen verbessern – oder uns gezielt in die falsche Richtung lenken? Diese Frage haben Forschende der Universität Bayreuth in einer neuen Studie mit 3.700 Teilnehmenden anhand fiktiver Fondssparpläne untersucht. Über ihre Erkenntnisse berichten die Forschenden in einem Arbeitspapier in CESifo.

Adobe Stock / stokkete, mit KI generiert
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Künstliche Intelligenz beeinflusst zunehmend Entscheidungen in nahezu allen Lebensbereichen: vom Online-Handel über Karriere und Gesundheit bis zur Finanzberatung. Während KI das Potenzial hat, Menschen zu unterstützen oder komplexe Informationen schnell verständlich zu machen, stellt sich zugleich die Frage, wie korrekt und unabhängig die Empfehlungen der KI sind. Besonders relevant wird dies, wenn hinter KI-Systemen wirtschaftliche Interessen stehen oder Nutzende die Qualität einer Empfehlung beispielweise aufgrund mangelnder Kenntnisse nur schwer selbst beurteilen können. Die Bayreuther Studie hilft deshalb, Chancen und Risiken der KI-Nutzung besser zu verstehen und Grundlagen dafür zu schaffen, wie vertrauenswürdige und verantwortungsvoll eingesetzte KI gestaltet und reguliert werden sollte.
Unter Leitung von Prof. Dr. Fabian Herweg, Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth, haben die Forschenden die Studienteilnehmenden vor eine einfache, aber realistische Entscheidung gestellt: Die Teilnehmenden richteten einen Fondssparplan auf einen fiktiven Index ein und wählten anschließend zwischen zwei Anbietern. Beide Fonds bildeten exakt denselben Index ab, unterschieden sich jedoch in zwei Gebühren.
„Dadurch entstand in unserer Studie ein scheinbarer Trade-off: Jeder Anbieter ist bei je einer der beiden Gebühren günstiger“, sagt Prof. Herweg. „Welcher Anbieter insgesamt besser war, war deshalb nicht sofort ersichtlich. Tatsächlich gab es aber für jede gewählte Sparrate einen eindeutig besten, also günstigsten Anbieter.“
Die Auswahl dieses günstigsten Anbieters bewältigten die Teilnehmenden entweder allein oder mit Unterstützung einer von drei Beratungsoptionen: einem KI-Chatbot, einem Bank-KI-Chatbot oder einem menschlichen Finanzberater. Diese drei Beratungsoptionen wurden von den Forschenden so gesteuert, dass sie entweder die richtige oder eine verzerrte Empfehlung aussprachen. Die Online-Studie war vollständig inzentiviert, d. h., die Entlohnung der Teilnehmenden fiel umso höher aus, je besser ihre Anlageentscheidungen waren.
„Im Ergebnis haben wir festgestellt, dass KI bei der Entscheidung stark unterstützen kann, aber nur, wenn sie richtig berät. Genauso kann sie Entscheidungen auch massiv in die falsche Richtung lenken, wenn die Empfehlung verzerrt ist“, sagt Joshua Greubel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth.
Ohne Beratung wählten rund 64 % der Teilnehmenden den besseren Anbieter. Empfahl ein neutral dargestellter KI-Chatbot diesen Anbieter, stieg der Anteil auf rund 87 %. Wurde dieselbe KI hingegen angewiesen, den schlechteren Anbieter zu empfehlen, fiel der Anteil der richtigen Entscheidungen auf rund 34 %.
Zudem schützte auch ein offengelegter Interessenkonflikt bei KI-Systemen kaum vor Fehlentscheidungen: Zwar trat einer der Chatbots als „Bank-KI“ auf und die Teilnehmenden wussten, dass die Bank von ihrer Sparplanentscheidung profitieren könnte, jedoch wurde die KI dadurch nicht messbar weniger einflussreich. Generell überzeugte die KI über die gesamte Studie hinweg stärker als menschliche Finanzberatende. „Sowohl bei guten als auch bei schlechten Empfehlungen lenkt die KI Entscheidungen stärker in die gewünschte Richtung als menschliche Berater“, sagt Henrik Guhling, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth.
Besonders deutlich wurde dieser Vertrauensunterschied in die Empfehlungen, als die Forschenden die Höhe der jeweiligen fiktiven Investitionen beleuchteten: Wer wenig investierte, traf ohne Beratung nur in etwa 28 % der Fälle die richtige Anbieterwahl. Gute KI-Beratung steigerte diesen Anteil auf über 74 %, bei der Bank-KI sogar auf über 85 %. Wer in der Studie viel investierte, wies hingegen im Durchschnitt eher eine höhere Finanzbildung, etwas mehr Finanzerfahrung und eine geringere Risikoaversion auf. Diese Gruppe entschied sich bereits ohne Beratung zu über 87 % richtig. Eine fehlgeleitete KI-Empfehlung senkte diesen Anteil jedoch auf unter 50 %. Damit kann KI gerade auch Menschen, die ohne KI sehr gut entschieden hätten, von dieser guten Entscheidung abbringen. „Eine gute KI-Beratung kann also für Menschen ohne entsprechende Vorkenntnisse enorme Unterstützung bringen. Allerdings kann sie bei verzerrten Empfehlungen genauso gut Menschen, die sich ohne KI sehr gut entschieden hätten, von dieser guten Entscheidung abbringen“, sagt Greubel.
„Reine Transparenz, dass KI verwendet wird, reicht also nicht aus. Entscheidend ist, welche Ziele einer KI vorgegeben werden und welche wirtschaftlichen Interessen hinter ihr stehen. Anbieter sollten daher sicherstellen müssen, dass KI-Beratung konsequent an den Interessen der Kunden ausgerichtet ist und durch geeignete Kontroll- und Prüfmechanismen abgesichert wird“, sagt Prof. Herweg.
Originalpublikation: AI Persuasion and Financial-Decision Making: Experimental Evidence on Dominated Investment Choices. Joshua Greubel, Henrik Guhling, Fabian Herweg. CESifo Working Papers (2026)
Link zur Studie: https://www.ifo.de/DocDL/cesifo1_wp12925.pdf
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Prof. Dr. Fabian HerwegInternational Competition Policy
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Theresa HübnerStellv. Pressesprecherin
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