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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 081/2026, 14.10.2026

KI-Ethik auf dem Prüfstand

Forschende der Universität Bayreuth zeigen in einer neuen Publikation, dass die oft gestellte Frage nach der Nützlichkeit von KI-Ethik zu kurz greift. Stattdessen plädieren sie dafür, zwischen unterschiedlichen Formen und Zielen von KI-Ethik zu unterscheiden und so die Debatte über verantwortungsvolle KI neu zu ordnen.

Foto des Bayreuther Forschungsteams im Bereich KI-Ethik

Die Bayreuther Autorinnen und Autoren der Publikation zu KI-Ethik (v.l.n.r.): Doktorand Luca Deck, Prof. Dr. Lena Kästner, Dr. Astrid Schomäcker und Dr. Timo Speith.

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Die rasante Entwicklung von KI wirft viele ethische Probleme auf, von Datenschutz und Fairness bis hin zu Autonomie und Sicherheit. Dennoch kritisieren einige Forschende „KI-Ethik“ harsch oder beschreiben sie als schädlich. Die Sorge ist, dass KI-Ethik ihren Zweck nicht erfüllt und stattdessen mächtigen KI-Konzernen dazu dient, staatliche Regulierung zu umgehen. Gerade in der aktuellen Zeit, in der ethische Fragen über KI allgegenwärtig sind, ist es wichtig, dass KI-Ethik nicht als Ganzes diskreditiert wird. Die Bayreuther Publikation hilft dabei, die oft emotional geführte Debatte über KI-Ethik besser zu verstehend und einzuordnen. Dadurch wird klar, welche Maßnahmen tatsächlich dazu beitragen können, dass KI-Systeme gesellschaftlichen Werten entsprechen. Die Publikation liefert damit eine Orientierung für Politik, Unternehmen, Forschung und die Öffentlichkeit im Umgang mit KI.

KI-Ethik steht in der Kritik. Der Vorwurf lautet, dass Unternehmen zwar Leitlinien zur KI-Entwicklung und -Nutzung veröffentlichen, die KI-Systeme selbst aber problematisch bleiben. Forschende der Universität Bayreuth, der Universität des Saarlandes und des CISPA Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit haben in einer neuen Publikation gezeigt, dass die Debatte um KI-Ethik häufig an einem Missverständnis leidet. „Unter dem Begriff KI-Ethik werden sehr unterschiedliche Aktivitäten zusammengefasst, die verschiedene Ziele verfolgen. Die Frage sollte also nicht lauten Ist KI-Ethik nützlich oder nicht?, sondern: Welche Art von KI-Ethik soll welchen Zweck erfüllen?“, sagt Dr. Astrid Schomäcker, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Philosophie, Informatik und Künstliche Intelligenz an der Uni Bayreuth und Erstautorin der Publikation. Neben Schomäcker waren auch die Bayreuther Forschenden Luca Deck, Dr. Timo Speith sowie Prof. Dr. Lena Kästner beteiligt, alle Mitglieder im jüngst gegründeten AI Responsibility Centre der Universität Bayreuth.

In ihrer neuen Publikation unterscheiden die Forschenden drei grundlegende Ziele von KI-Ethik: Wissen über die moralischen, gesellschaftlichen und normativen Eigenschaften von KI schaffen, dieses Wissen kommunizieren und schließlich in der Praxis anwenden, um KI-Systeme verantwortungsvoll zu entwickeln und einzusetzen. Gleichzeitig identifiziert die Publikation vier zentrale Bereiche, in denen KI-Ethik stattfindet: Forschung, Bildung, praktische Entwicklung von KI-Systemen sowie Governance-Instrumente wie Ethikbeiräte, Leitlinien und Gesetze.

„In der Publikation verteidigen wir KI-Ethik nicht aus einem bestimmten Blickwinkel heraus, sondern wir geben einen Überblick über verschiedene Hinsichten, in denen KI-Ethik nützlich sein kann, ohne existierende Probleme aus dem Blick zu verlieren. So können wir passende ethische Ansätze für verschiedene Zwecke finden und diese möglichst gewinnbringend kombinieren“, sagt Timo Speith.

Ein zentrales Ergebnis der Publikation: Kritik an einzelnen Instrumenten sollte nicht automatisch das gesamte Feld der KI-Ethik infrage stellen. So könne etwa die Kritik berechtigt sein, dass bestimmte Ethik-Leitlinien nur begrenzten Einfluss auf die tatsächliche Entwicklung von KI-Systemen haben. Daraus folge jedoch nicht, dass Forschung, Bildung oder andere Governance-Instrumente ebenfalls wirkungslos seien.

Vor allem dürfe KI-Ethik nicht ausschließlich auf Gesetze reduziert oder durch Marktmechanismen ersetzt werden. Forschung und gesellschaftliche Debatten seien notwendig, um überhaupt herauszufinden, welche Regeln und Werte bei der Entwicklung und Nutzung von KI gelten sollten. Zudem könnten Ethikgremien und wissenschaftliche Analysen häufig schneller auf neue technologische Entwicklungen reagieren als Gesetzgebungsprozesse.

„KI-Ethik ist weder ein Allheilmittel noch bedeutungslos. Ihr Wert hängt davon ab, welches Ziel verfolgt wird und welches Instrument zum Einsatz kommt. Für eine verantwortungsvolle Entwicklung von KI sind verschiedene Formen der KI-Ethik notwendig, die sich gegenseitig ergänzen“, sagt Prof. Dr. Lena Kästner, Inhaberin des Lehrstuhls Philosophie, Informatik und Künstliche Intelligenz der Uni Bayreuth.

Die Publikation wurde durch die VW-Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) gefördert.

Originalpublikation: Astrid Schomäcker, Timo Speith, Luca Deck, Thorsten Helfer, Hanwei Zhang & Lena Kästner What is AI ethics, and what is it good for? Clarifying debates on AI ethics. AI Ethics (2026)

DOI: https://doi.org/10.1007/s43681-026-01326-6

Prof. Dr. Lena Kästner

Prof. Dr. Lena Kästner

Professur für Philosophie, Informatik und Künstliche Intelligenz
Universität Bayreuth

Telefon: 0921 / 55-4164
E-Mail: lena.kaestner@uni-bayreuth.de

Theresa Hübner

Theresa Hübner

Stellv. Pressesprecherin
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