Die internationale Arbeitsteilung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Globale Wertschöpfungsketten, rasant zunehmender Handel mit Dienstleistungen, Automatisierung und der Aufstieg von „Superstar-Unternehmen“ verändern die Art und Weise, wie Firmen produzieren und wie Länder am Welthandel teilnehmen. Diese Dynamik eröffnet einerseits enorme Wohlstandschancen, führt andererseits aber zu spürbaren Verteilungskonflikten zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Regionen und Ländern sowie zu wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit entlang globaler Wertschöpfungsketten. Viele der aktuell sichtbaren Gegenbewegungen zu Globalisierung und technologischem Wandel – bis hin zu wirtschaftlichem Nationalismus – wurzeln in genau diesen Spannungen und Unsicherheiten.
„Das grundlegende Problem ist, dass bestehende wirtschaftspolitische Instrumente oft zu kurz greifen, weil sie nicht auf diese neuen Formen des Handels, der Produktion und der gestiegenen ökonomischen Unsicherheit ausgerichtet sind“, erläutert Prof. Dr. Hartmut Egger, Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. „Das neue Forschungsnetzwerk IDoL untersucht dank der Förderung durch die DFG, wie sich diese neuen Formen der Globalisierung auf Arbeitnehmer, Unternehmen und Politik auswirken und welche politischen Maßnahmen notwendig sind, damit die Gesellschaft breiter an den Vorteilen des Welthandels teilhaben kann.“
Die Forschenden analysieren in diesem Projekt, wie globale Wertschöpfungsketten entstehen, wie technologische Veränderungen Handelsmuster beeinflussen und wer zu den Gewinnern und Verlierern der Globalisierung zählt. Ziel ist es dabei, evidenzbasierte Empfehlungen zu entwickeln, die helfen, Verteilungskonflikte zu entschärfen.
Die Universität Bayreuth übernimmt im Forschungsverbund eine zentrale wissenschaftliche Rolle. Bayreuther Forscherinnen und Forscher sind maßgeblich an mehreren Kernbereichen des Projekts beteiligt. Sie arbeiten an der Analyse globaler Wertschöpfungsketten, leiten die Untersuchung technologischer Veränderungen und durchleuchten international agierende Unternehmen vor dem Hintergrund zunehmender globaler Unsicherheit. Damit übernimmt die Universität Bayreuth nicht nur die Koordination des Verbundes, sondern prägt auch inhaltlich wesentliche Teile der gemeinsamen Forschungsagenda.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das neue Forschungsnetzwerk „International Division of Labour (IDoL)“ über vier Jahre mit mehreren Millionen Euro. Die Mittel gehen nicht nur an die Universität Bayreuth als koordinierende Einrichtung, sondern fließen zugleich an drei weitere exzellente Standorte der Globalisierungsforschung: die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universität Göttingen und das ifo Institut in München. Ergänzt wird das Konsortium durch zwei international ausgewiesene Ökonomen aus Dänemark und Österreich, die als Mercator-Fellows aktiv in die Forschungsarbeit eingebunden sind. Ein international hochkarätig besetztes Scientific Advisory Board – unter anderem mit Expertinnen und Experten der Universität Oxford, UCL, UC San Diego und der Weltbank – begleitet das Forschungsnetzwerk und stellt sicher, dass die Forschung kontinuierlich durch internationale Spitzenexpertise bereichert wird. Dadurch bündelt IDoL die Kompetenz führender Institutionen und verbindet deutsche und internationale Spitzenforschung zu den zentralen Herausforderungen der globalen Arbeitsteilung. Projektbeginn ist 2026.