Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 099/2023 vom 07.07.2023

Ein Pionier der Wirtschaftsinformatik: Professor Dr. Hans Ulrich Buhl erhält Ehrendoktorwürde der Universität Bayreuth

Einer der führenden deutschen Wirtschaftsinformatiker, Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl von der Universität Augsburg, ist gestern am 6. Juli 2023 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung auf dem Campus der Universität Bayreuth mit der Ehrendoktorwürde ihrer Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ausgezeichnet worden. Der international hoch angesehene Wissenschaftler erhielt den Grad eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften ehrenhalber (Dr. rer. pol. h.c.) für seine wissenschaftlichen Leistungen für die Betriebswirtschaftslehre, insbesondere in der Wirtschaftsinformatik, sowie für seine Verdienste um die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis.

Verleihung der Ehrendoktorwürde der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth an Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl (jeweils li.) durch Dekan Prof. Dr. André Meyer (jeweils re.). Fotos: UBT / Chr. Leinauer.

Prof. Dr. André Meyer, Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth, würdigte in seiner Begrüßungsansprache die exzellente, thematisch weitgespannte und einflussreiche wissenschaftliche Arbeit von Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl, die über die Fachwelt hinaus große Ausstrahlungskraft habe. Durch die Ansiedlung der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Bayreuth und die damit verbundene Einrichtung zusätzlicher Professuren für Wirtschaftsinformatik hat er der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie der Universität Bayreuth insgesamt wertvolle Impulse für den weiteren Ausbau ihrer Kompetenzen auf den Gebieten der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz gegeben.

Laudatorin Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Caren Sureth-Sloane (li.) und Laudator Prof. Dr. Martin Bichler (re.).

In seiner Laudatio stellte Prof. Dr. Martin Bichler, Inhaber eines Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU München, die Verdienste von Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl in der engagierten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie in der universitären Lehre heraus. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2021 hat er eine ungewöhnlich hohe Zahl von Doktorand*innen und Habilitand*innen betreut, die ihre Karriere anschließend in der Wissenschaft oder in Fach- und Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft fortsetzen konnten. Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl ist Dozent, Juror, Vertrauensdozent und Mitglied des Kuratoriums der Bayerischen EliteAkademie. Von 2004 bis 2021 war er Vorsitzender des Boards des Elitenetzwerk-Studiengangs "Finanz- & Informationsmanagement" der Universität Bayreuth, der Universität Augsburg und der TU München. Dieser vom Elitenetzwerk Bayern und zehn renommierten Praxispartnern geförderte Studiengang erzielte kontinuierlich Spitzenbewertungen in Hochschulrankings. Bichler betonte auch, dass sich der Augsburger Wissenschaftler in der Forschung immer als Gestalter verstanden und die Wissenschaftsinformatik als eine Disziplin betrieben habe, die sich nicht hinter Zahlen und Statistiken versteckt, sondern sich den realen, gesellschaftlich relevanten Herausforderungen stellt. Dabei habe er mit großer Offenheit für neue Fragestellungen stets die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen gesucht und der Wissenschaftsinformatik neue Horizonte eröffnet.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Caren Sureth-Sloane, Inhaberin eines Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn, beschrieb in ihrer Laudatio die vielfältigen Facetten der wissenschaftlichen Persönlichkeit von Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl. Mit seinen Forschungsinteressen und Aktivitäten an der Schnittstelle von Finanzwirtschaft und Wirtschaftsinformatik habe er die Betriebswirtschaftslehre vorangebracht: durch herausragende Kompetenz, zielbewusst und zugleich ausgleichend, bisweilen unbequem und fordernd, aber immer fördernd, mit Leidenschaft für fortschrittliche Entwicklungen und klugem Agieren auch in wissenschaftspolitischen Fragen. Die Laudatorin hob besonders sein Engagement im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) und in der Gesellschaft für Informatik (GI) sowie sein langjähriges innovatives Engagement in der wissenschaftlichen Kommunikation hervor. Von 2006 bis 2014 war der Augsburger Informatiker geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift Wirtschaftsinformatik, 2009 gründete er die Zeitschrift Business & Information Systems Engineering. Zudem ist er als Mitherausgeber oder als Gutachter für eine Vielzahl renommierter nationaler und internationaler Zeitschriften aus den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und Informatik tätig. Mit nachhaltiger Wirkung hat sich Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl auch im Fachkollegium Wirtschaftswissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für sein Fach eingesetzt. Seit August 2021 ist er das mit der höchsten Stimmenanzahl aller Wirtschaftsinformatiker, Wirtschaftsingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker gewählte Mitglied unter mehr als 600 Fachkollegiaten der DFG.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Ulrich Buhl während seiner "lectio doctoralis". Foto: UBT / Chr. Wißler.

Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl verknüpfte seinen Dank für die Verleihung der Ehrendoktorwürde mit einer Vorlesung (“Lectio doctoralis“), in der er mit großer Entschiedenheit die Dringlichkeit nationaler und internationaler Maßnahmen zum Klimaschutz, zur Dekarbonisierung und zur nachhaltigen Transformation vor Augen führte. Unter dem Motto „Rückblick mit Wut“ schlug er einen Bogen von den bereits seit Ende der 1960er Jahre veröffentlichten Studien und Forderungen des Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“ bis zum heutigen ungebrochenen Anstieg der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Die Zahl der durch Naturkatastrophen verursachten Schäden hätten weiterhin dramatisch zugenommen und seien heute eine wesentliche Ursache für weltweite Fluchtbewegungen. Das ursprüngliche Ziel, die vom Menschen verursachte Erderwärmung unter 1,5 Prozent zu halten, sei nicht mehr realistisch, und um eine mehr als zweiprozentige Erwärmung verhindern zu können, seien noch in diesem Jahrzehnt drastische Einschnitte nötig. „We need disruption to end destruction“, zitierte er den UN-Generalsekretär António Guterres. An diesem Punkt rief der neue Ehrendoktor der Universität Bayreuth zu einem „Ausblick mit Mut“ auf. Entscheidende Ansatzpunkte für die bevorstehende Transformation seien klimafreundliche Technologien, eine führende Rolle der Unternehmen beim Klimaschutz, eine deutliche Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, kein De-Growth, sondern ein klimafreundliches Wirtschaftswachstum sowie eine sozialverträgliche Gestaltung des Klimaschutzes. Ebenso müssten im Bereich der Energiewirtschaft kluge finanzielle Anreizsysteme auf den Weg gebracht werden. „Deutschland kann und muss in Sachen Klimaschutz und Green Growth eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagte Buhl. Der Schlüssel zur Lösung der Probleme liege in einem „Dreiklang von Dekarbonisierung, Digitalisierung und Reduzierung von Ungleichheit“. Seine engagierten Ausführungen wurden vom Publikum mit „Standing Ovations“ beantwortet.

Nach der Ehrenpromotionsfeier: Prof. Dr. Torsten Eymann (Moderator, Universität Bayreuth), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Caren Sureth-Sloane (Laudatorin, Universität Paderborn), Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Ulrich Buhl (neuer Ehrendoktor der Universität Bayreuth), Prof. Dr. André Meyer (Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Universität Bayreuth) und Prof. Dr. Martin Bichler (Laudator, TU München) (v.l.n.r.). Foto: UBT / Chr. Wißler.

Die Initiative zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl war von dem Bayreuther Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Torsten Eymann ausgegangen, der mit dem Geehrten seit vielen Jahren im wissenschaftlichen Kontakt steht und auch die Moderation der feierlichen Veranstaltung übernommen hatte. “Es freut mich sehr, dass wir eine so herausragende Persönlichkeit mit der Ehrendoktorwürde auszeichnen durften. In seiner heutigen Ansprache hat Professor Hans Ulrich Buhl seine starke Verbundenheit mit der Universität Bayreuth erneut zum Ausdruck gebracht. Er wird uns auch in Zukunft ein wissenschaftliches Vorbild für die innovative Weiterentwicklung von Forschung, Lehre und Wissenstransfer an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sein”, sagt Eymann.

Zur Person:
Hans Ulrich Buhl wurde 1955 in Esslingen geboren. Von 1976 bis 1981 absolvierte er den Diplom-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe sowie den Master-Studiengang Industrial Engineering and Operations Research an der University of California in Berkeley, USA. Nach der Promotion (1982) und der Habilitation (1985) an der Universität Karlsruhe war er in verschiedenen Funktionen für die IBM Deutschland GmbH in Stuttgart tätig, bis er 1990 als Lehrstuhlinhaber an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen wurde. 1994 übernahm er an der Universität Augsburg den Lehrstuhl für BWL, Wirtschaftsinformatik, Informations- und Finanzmanagement, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2021 innehatte. Aufgrund seiner Forschungsarbeiten wurde er in den BWL-Rankings von Management International Review (2004) sowie von Handelsblatt und Wirtschaftswoche (2009, 2012, 2014 und 2019) jeweils unter den Top 1% eingestuft.

Prof. Dr. Torsten Eymann

Prof. Dr. Torsten Eymann Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik
Universität Bayreuth

Christian Wißler, Wissenschaftskommunikation

Christian Wißler

Stellv. Pressesprecher, Wissenschaftskommunikation
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