Soziale Medien bieten große Chancen, um evidenzbasierte und ansprechende Inhalte zu Ernährung und Gesundheit zu vermitteln. Gleichzeitig begünstigen sie aber auch die schnelle Verbreitung von Fehl- und Desinformation. Das wissenschaftliche Verständnis davon, wie sich Ernährung auf Gesundheit und Umwelt auswirkt, entwickelt sich zwar stetig weiter, zentrale Erkenntnisse wie etwa der gesundheitliche Nutzen von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten gelten aber schon lange als gesichert und werden durch neue Studien immer weiter untermauert. Solchen verlässlichen Botschaften fehlt jedoch oft der Neuigkeitswert. In sozialen Medien erhalten sie deshalb häufig weniger Aufmerksamkeit als reißerische, wissenschaftlich unfundierte oder schlicht falsche Behauptungen über vermeintliche Wundermittel. Fehl- und Desinformation rund um Ernährung ist damit ein wachsendes gesellschaftliches Problem, dessen sich FOOD-FRAMES annimmt.
Im Projekt FOOD-FRAMES bündeln zehn Partnerinstitutionen aus sieben Ländern ihre Expertise aus Psychologie, Ernährungswissenschaft, Public Health, Rechtswissenschaft, Ökonomie sowie Medien- und Politikforschung. Ziel ist es, eine sogenannte Ernährungsinformationsumgebung zu gestalten, die gesunde und nachhaltige Ernährung in ganz Europa unterstützt, etwa durch politische Empfehlungen und rechtliche Rahmenbedingungen, die irreführendem Marketing sowie Fehl- und Desinformation entgegenwirken.
Das Team um Prof. Dr. med. Peter von Philipsborn, Lehrstuhlinhaber für Public Health Nutrition, leitet am Campus Kulmbach eine sogenannte Photovoice-Studie: Dabei dokumentieren junge Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer in Deutschland, Österreich und den Niederlanden mit eigenen Fotos, wie sie die digitale Ernährungsumgebung erleben und wahrnehmen. Ergänzend führt das Bayreuther Team eine Interviewstudie mit Ernährungs-Influencerinnen und -Influencern durch, um deren Motivation, Erfahrungen und vertragliche Rahmenbedingungen sowie ihre Perspektiven auf eine bessere Regulierung zu erfassen. Darüber hinaus setzt die Universität Bayreuth Apps ein, um zu untersuchen, wie stark Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren Marketing für ungesunde Lebensmittel ausgesetzt sind. Das Bayreuther Team wirkt zudem an einer systematischen Übersichtsarbeit sowie einer internationalen Delphi-Studie mit, in denen wirksame Maßnahmen gegen ernährungsbezogene Fehl- und Desinformation identifiziert werden sollen.
„Ernährung ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Gerade deshalb kursieren im Netz auch besonders viele falsche und irreführende Informationen darüber“, erklärt Prof. Dr. med. Peter von Philipsborn. „Mit FOOD-FRAMES wollen wir besser verstehen, wie junge Menschen dieser Desinformation begegnen, welche Folgen das für ihre Gesundheit hat und wie wir sie besser davor schützen können.“
Am Projekt beteiligt sind neben der Universität Bayreuth die Universität Wageningen (Koordination), das University College Cork, die Universität Wien, die Universität Gent, das Norwegian Institute of Public Health, die University of Southern Denmark, die Universität Pisa, Sciensano sowie die Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Projektlaufzeit beträgt insgesamt drei Jahre, bis Juli 2029.
FOOD-FRAMES wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie weiteren nationalen Fördergebern der beteiligten Länder mit Kofinanzierung durch die Europäische Union im Rahmen der europäischen Partnerschaft FutureFoodS gefördert. Die Projektträgerschaft auf deutscher Seite liegt bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Ausschlaggebend für die Förderung waren insbesondere die wissenschaftliche Exzellenz und der erwartbare Nutzen in Hinblick auf die Unterstützung gesunder und nachhaltiger Ernährungsweisen.