Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 084/2026, 21.10.2026
Die Ukraine als Zukunftslabor für nachhaltige Landwirtschaft
VolkswagenStiftung fördert deutsch-ukrainisches Forschungsvorhaben an der Universität Bayreuth

Die Ukraine zählt zu den wichtigsten Agrarregionen Europas. Doch beim Wiederaufbau des vom Krieg gezeichneten Landes geht es nicht nur um die Wiederherstellung bestehender Produktionskapazitäten. Eine zentrale Zukunftsfrage lautet, wie Landwirtschaft, Innovation und europäische Integration zusammengeführt werden können. Genau hier setzt ein neues Forschungsprojekt der Universität Bayreuth an, das von der VolkswagenStiftung gefördert wird. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Kai Purnhagen, Inhaber des Lehrstuhls für Lebensmittelrecht, untersucht ein deutsch-ukrainisches Forschungsteam, wie moderne Agrarbiotechnologien und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen zu einem nachhaltigen Wiederaufbau der ukrainischen Landwirtschaft beitragen können. Die Laufzeit des Projekts beträgt 18 Monate. Die Fördersumme beläuft sich auf rund 290.000 Euro.
Das Projekt trägt den Titel „From Breadbasket to Bio-Innovation: Revitalizing Agriculture of Ukraine“ und baut auf der Beobachtung auf, dass die Ukraine über weit mehr verfügt als fruchtbare Böden und eine herausragende Stellung im internationalen Agrarhandel. Das Land besitzt zugleich eine lange Tradition in Pflanzenzüchtung, Agrarforschung und biotechnologischer Innovation. Dieses Potenzial soll im Rahmen des Wiederaufbaus systematisch untersucht und für die zukünftige Entwicklung des ukrainischen Agrarsektors nutzbar gemacht werden.
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Frage, wie die ukrainische Gesetzgebung weiterentwickelt werden kann, um moderne biotechnologische Verfahren in der Landwirtschaft sicher und verantwortungsvoll einzusetzen. Analysiert werden insbesondere regulatorische Rahmenbedingungen für gentechnische Verfahren und neue genomische Techniken, Fragen der Biosicherheit sowie die Annäherung an europäische Rechtsstandards. Ziel ist es, einen wissenschaftlich fundierten Fahrplan für rechtliche Reformen zu entwickeln, der Innovation ermöglicht und gleichzeitig hohe Anforderungen an Verbraucher- und Umweltschutz berücksichtigt.
Das Forschungsvorhaben verbindet rechtswissenschaftliche, wirtschaftliche und agrarwissenschaftliche Perspektiven. Neben der Analyse von Gesetzgebung und politischen Strategien werden Interviews mit Landwirtinnen und Landwirten, Unternehmen, Forschenden sowie politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern durchgeführt. Workshops in der Ukraine und in Kulmbach sollen darüber hinaus den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik fördern.
„Die Ukraine verfügt über ein außergewöhnliches landwirtschaftliches Potenzial, das weit über ihre traditionelle Rolle als Kornkammer Europas hinausgeht. Der Wiederaufbau bietet die Chance, Wissenschaft, Innovation und moderne Agrarbiotechnologien von Anfang an mitzudenken. Wenn es gelingt, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovation ermöglichen und gleichzeitig hohe Standards für Umwelt- und Verbraucherschutz gewährleisten, kann die Ukraine zu einem wichtigen Partner Europas für Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft werden“, sagt Dr. habil. Dmytro Fedchyshyn, der die Forschungsarbeiten zur ukrainischen Agrar- und Umweltgesetzgebung im Projekt am Lehrstuhl von Prof. Kai Purnhagen koordiniert.
Die Universität Bayreuth kann bei dem Vorhaben auf langjährige Kooperationen mit ukrainischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufbauen. In den vergangenen Jahren waren mehrere ukrainische Forschende als Fellows und Gastwissenschaftler am Lehrstuhl für Lebensmittelrecht tätig. Diese gewachsenen Partnerschaften bilden die Grundlage für das nun gestartete gemeinsame Forschungsprojekt. Die Ergebnisse sollen in wissenschaftlichen Publikationen, Policy Papers und öffentlichen Veranstaltungen veröffentlicht werden. Darüber hinaus sollen konkrete Empfehlungen für politische Entscheidungsträger in der Ukraine und der Europäischen Union erarbeitet werden. Damit möchte das Projekt einen Beitrag dazu leisten, den Wiederaufbau der ukrainischen Landwirtschaft mit Innovation, Nachhaltigkeit und europäischer Integration zu verbinden.

Prof. Dr. Kai Purnhagen, LL.M.Lehrstuhl für Lebensmittelrecht
Telefon: 0921 / 55-1020
E-Mail: kai.purnhagen@uni-bayreuth.de

Dr. Stefan Fehm-DanoglidisPressesprecher, Hochschulkommunikation
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