Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 073/2026, 22.09.2026
Grönland schrumpft, Afrika wächst: Bayreuther Software macht Kartenverzerrung sichtbar
Neue Geo-Erweiterung von JSXGraph zeigt im Webbrowser, wie Weltkarten unsere Wahrnehmung der Erde verändern
Die UN-Generalversammlung empfiehlt flächentreue Weltkarten. Eine Erweiterung der an der Universität Bayreuth entwickelten Software JSXGraph führt im Webbrowser vor, welche Folgen verschiedene Kartenprojektionen für die Größenverhältnisse der Kontinente haben.

Equal-Earth-Projektion
CMLDT Universität Bayreuth

Equal-Earth-Projektion mit Flugroute
CMLDT Universität Bayreuth
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Weltkarten prägen unser Bild der Erde, doch sie zeigen die Welt nicht immer maßstabsgetreu. Mit einer neuen Geo-Erweiterung der an der Universität Bayreuth entwickelten Open-Source-Software JSXGraph werden die Auswirkungen unterschiedlicher Kartenprojektionen direkt im Webbrowser sichtbar. Nutzende können zwischen verschiedenen Darstellungen wechseln und diese mit einem interaktiven Globus vergleichen. So wird anschaulich, warum Grönland auf manchen Karten beinahe so groß erscheint wie Afrika, obwohl der afrikanische Kontinent tatsächlich um ein Vielfaches größer ist. Die Anwendung unterstützt Wissenschaftskommunikation, digitale Lehre und E-Learning-Angebote und verdeutlicht zugleich grundlegende mathematische und geografische Zusammenhänge hinter der Darstellung unserer Welt.
Wie stark Weltkarten die tatsächlichen Größenverhältnisse von Kontinenten verzerren können, macht eine neue Geo-Erweiterung der an der Universität Bayreuth entwickelten Open-Source-Software JSXGraph im Webbrowser sichtbar. Nutzende können direkt im Webbrowser zwischen verschiedenen Kartenprojektionen wechseln und deren Auswirkungen mit einem interaktiven Globus vergleichen.
Aktuelle Relevanz erhält das Thema durch die Resolution „Correct the Map“, die am 4. September 2026 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Die Resolution empfiehlt den Einsatz flächentreuer Weltkarten überall dort, wo Größenverhältnisse eine Rolle spielen, und fordert zugleich mehr Aufklärung über die unvermeidbaren Verzerrungen von Kartenprojektionen. Wie groß diese Unterscheide ausfallen können, zeigt ein bekanntes Beispiel: Auf der weit verbreiteten Mercator-Karte erscheint Grönland beinah so groß wie Afrika. Tatsächlich ist Afrika vierzehnmal größer.
Die neue Erweiterung der Software entstand am Lehrstuhl für Mathematik und ihre Didaktik in Kooperation mit dem Center for Mobile Learning with Digital Technology (CMLDT) der Universität Bayreuth. Mit wenigen Klicks lassen sich verschiedene Kartenprojektionen vergleichen. Die Darstellungen verändern sich dabei fließend und veranschaulichen unmittelbar die jeweiligen Vor- und Nachteile: Während die Mercator-Projektion Winkel korrekt wiedergibt, verzerrt sie Flächen erheblich. Flächentreue Projektionen wie Equal Earth bewahren hingegen Größenverhältnisse, nehmen dafür aber Veränderungen der Konturen in Kauf. Ergänzend steht ein interaktiver, drehbarer Globus zur Verfügung. Dadurch wird deutlich, warum keine flache Weltkarte die Erdoberfläche ohne Verzerrungen darstellen kann.
„Eine Kartenprojektion ist im Kern nichts anderes als eine Abbildung von der Kugeloberfläche in die Ebene“, sagt Dr. Carsten Miller, Geschäftsführer des CMLDT. „Beim Globus geht es dagegen um die perspektivische Darstellung eines Kugelmodells. Mit solchen geometrischen Fragen beschäftigen wir uns in der Mathematik. Ich bin Mathematiker, kein Geograph: Die Karte ist für mich zuerst eine Abbildung.“ Die Erweiterung versteht sich nicht als kartographische Fachsoftware, sondern als Werkzeug zur Veranschaulichung geografischer und mathematischer Zusammenhänge. Gleichzeitig demonstriert sie die Leistungsfähigkeit von JSXGraph, einer weltweit eingesetzten Open-Source-Bibliothek für interaktive Geometrie, Funktionsgraphen und Datenvisualisierung im Webbrowser.
Einsatzmöglichkeiten sieht das Entwicklungsteam vor allem in der Wissenschaftskommunikation, auf Webseiten sowie in Schule und Hochschule. Karten und Globen lassen sich mit wenigen Zeilen Code in digitale Angebote integrieren. Darüber hinaus eröffnet die Erweiterung neue Möglichkeiten für digitales Lernen und E-Assessment. Lernende können beispielsweise Länder, Routen oder Gebiete direkt auf einer Karte markieren; die Eingaben lassen sich automatisiert auswerten.
Die Erweiterung steht wie JSXGraph unter einer Doppellizenz: wahlweise unter der GNU Lesser General Public License (LGPL) oder der MIT-Lizenz. Sie erscheint als erste Fassung; ihre Grenzen sind dokumentiert, und weitere Ausbaustufen sind vorgesehen: zusätzliche Datensätze, feinere Auflösungen und weitere Kartenprojektionen. Rückmeldungen aus den einschlägigen Fachdisziplinen und der Praxis sind ausdrücklich erwünscht.
Quelle: UN-Resolution https://docs.un.org/en/A/RES/80/307
Links:
Karten und Globus selbst ausprobieren
https://jsxgraph.org/extensions/geo/demo/
Dokumentation und Beispiele der JSXGraph-Erweiterung
https://jsxgraph.org/extensions/geo/
Projekt JSXGraph
https://jsxgraph.org

Dr. Carsten MillerGeschäftsführer Center for Mobile Learning with Digital Technology (CMLDT)
Universität Bayreuth
Universität Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-3268
E-Mail: carsten.miller@uni-bayreuth.de

Dr. Stefan Fehm-DanoglidisPressesprecher, Hochschulkommunikation
Telefon: 0921 / 55-5300
E-Mail: pressestelle@uni-bayreuth.de
Zentrale Universitätsverwaltung (ZUV), Büro 3.05
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth