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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 111/2022 vom 08.07.2022

Vernissage: Iwalewahaus und KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eröffnen Ausstellung von Talya Lubinsky

Am 14. Juli 2022, 18.30 Uhr, laden das Iwalewahaus der Universität Bayreuth und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zur Vernissage der Ausstellung „Melting Stone“ der südafrikanischen Künstlerin Talya Lubinsky in Flossenbürg ein. Die Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Ausgehend von der geologisch-historischen Bedeutung von Granit und Glas, will die Ausstellung zu einem grundsätzlichen Nachdenken über Gedenkkulturen anregen. Sie ist bis zum 18. September 2022 auf dem Gelände der Gedenkstätte zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Termin: Donnerstag, 14. Juli 2022, 18.30 Uhr
Ort: Gebäude DESt auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Weitere Informationen: https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/aktuelles/ausstellungseroeffnung-melting-stone

Die südafrikanische Künstlerin Talya Lubinsky auf dem Campus der Universität Bayreuth.

Talya Lubinsky ist als „Artist in Residence“ im Iwalewahaus der Universität Bayreuth, einem Zentrum für Gegenwartskulturen Afrikas, zu Gast. Zudem nimmt sie auf dem Campus an der internationalen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Africa Multiple" teil, die dem Thema "Medialities" gewidmet ist. 2017 präsentierte sie im Iwalewahaus ihre Ausstellung „Floating Bodies“. Gemeinsam mit Dr. Katharina Fink, Leiterin der künstlerischen Programme im Iwalewahaus, entwickelte sie die Idee für die neue Skulpturen-Serie „Melting Stone“, die zu einem künstlerischen Dialog mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg einladen will. Die Ausstellungsräume befinden sich in einem Gebäude, in dem von 1938 bis 1945 die Verwaltung der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DESt) untergebracht war. Die SS hatte dieses Unternehmen gegründet und bewirtschaftete den angrenzenden Granit-Steinbruch. Hier mussten die Gefangenen des KZ Flossenbürg Zwangsarbeit leisten, viele von ihnen starben an den Folgen von Erschöpfung, Krankheit und Unterernährung.

Mit ihrer Ausstellung knüpft Talya Lubinsky an die geologische Geschichte der oberpfälzischen Region an. Der Flossenbürger Granit, der ursprünglich einen heißen Lavastrom in einer Tiefe von 30 Kilometern bildete, wurde durch Kontinentalverschiebungen an die Oberfläche gedrückt. Im Laufe der Jahrmillionen wurden Erdschichten abgetragen, die Lava kühlte ab und kristallisierte zum festen Granit. Die südafrikanische Künstlerin experimentiert nun in „Melting Stone" mit der Erhitzung von Granitsteinen bis hin zu dem Punkt, an dem sie zu schmelzen beginnen. Festes Gestein, das in der europäischen Kultur oft mit Trauer und Gedenken verbunden ist und zur Errichtung von Monumenten verwendet wird, verwandelt sich wieder in ein flüssiges Material, das an den unterirdischen Lavastrom erinnert. Auf diese Weise entwickelt Talya Lubinsky neue ästhetische Formen für den Umgang mit geschichtlichen Zeugnissen. Mit ihren Skulpturen will sie zur Reflexion über „verfestigte“ Erinnerungskulturen einladen und dabei auch zur Auseinandersetzung mit hegemonialen Ansprüchen anregen, die in offener oder verdeckter Weise darin eingeschrieben sind.

Ein zentraler Blickpunkt der Ausstellung ist „Sanding Glass", eine großfächige Arbeit auf und mit Glas. Sie ist vor einem 14 Meter langen und 2,5 Meter hohen Wandbild im ehemaligen „Gefolgschaftssaal“ der Deutschen Erd- und Steinwerke installiert. Der nationalsozialistischen Ideologie und Ästhetik entsprechend, sind hier kräftige Steinmetze und Bauarbeiter dargestellt. In den Jahrzehnten nach der Befreiung des Lagers wurden die Gesichter der Figuren absichtlich entfernt, zudem ist die Farbe aufgesprungen und abgeblättert. Talya Lubinsky bearbeitet jene Teile des Gemäldes, die nicht abgerieben, abgeplatzt oder verwittert sind, auf Glas, um sie undurchsichtig zu machen. So sind beim Blick durch das klare Glas nur noch diejenigen Teile der Wand zu sehen, die durch Witterung oder menschliche Eingriffe verunreinigt worden sind. Das so entstandene Bild weckt Erinnerungen an die Geschichte des Konzentrationslagers, indem es wesentliche Inhalte gerade durch ihr Fehlen augenfällig macht.

Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, sagt über Talya Lubinskys Arbeit: "Mit dieser Ausstellung öffnen wir das DESt-Verwaltungsgebäude erneut als Raum für Kunst und Gedanken. Talya Lubinsky hat für diesen Ort zwei Kunstinstallationen geschaffen. Zum einen setzt sie sich aktiv mit der An- und Abwesenheit von Täterspuren im Gebäude auseinander. Zum anderen symbolisiert sie mit Skulpturen aus geschmolzenem Granit den Wandel und die Vergänglichkeit der Erinnerung. Damit verweist sie auf die Fragilität scheinbar fester Erinnerungsmuster und betont die Notwendigkeit, diese immer wieder zu hinterfragen und neu zu denken. Gerade deshalb passt die Kunst von Talya Lubinsky hervorragend zu diesem Ort des ehemaligen KZ-Steinbruchs, der sich weiterhin als Experimentierraum für Erinnerungskultur defnieren wird."

Dr. Katharina Fink vom Iwalewahaus der Universität Bayreuth betont: "Es ist eine bereichernde Erfahrung, mit den Kolleg*innen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg neue Schnittpunkte in der Erinnerungsarbeit zu erarbeiten. Talya Lubinsky, mit der wir schon oft zusammengearbeitet haben, ermöglicht es uns mit ihren Arbeiten, eine neue poetische Sprache dafür zu fInden, Geschichte zu gegenwärtig zu machen.“

Zur Person:
Talya Lubinsky stammt aus Johannesburg, Südafrika und lebt derzeit in Berlin. Von der University of Witwatersrand in Johannesburg erhielt sie einen Master of Fine Arts mit Auszeichnung. Weitere Informationen: https://www.talyalubinsky.com

Förderung:
Der Gastaufenthalt von Talya Lubinsky als "Artist in Residence" im Iwalewahaus wurde vom Institut für Afrikastudien (IAS) der Universität Bayreuth ermöglicht. Die Ausstellung in Flossenbürg wird unterstützt vom Freundeskreis Iwalewahaus e.V. Als eine Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wird sie gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Dr. Katharina Fink

Dr. Katharina Fink

Stv. Leiterin
Koordinatorin Programm, Lehre, Inklusion
Iwalewahaus
Universität Bayreuth 

Telefon: +49 (0)921 / 55-4505
E-Mail: katharina.fink@uni-bayreuth.de
Wölfelstr. 2, 95444 Bayreuth 

Christian Wißler, Wissenschaftskommunikation

Christian Wißler

Stellv. Pressesprecher, Wissenschaftskommunikation
Universität Bayreuth

Telefon: +49 (0)921 / 55-5356
E-Mail: christian.wissler@uni-bayreuth.de