Your browser is outdated. We recommend an update or using another browser to visit our website.

Ihr Browser ist veraltet. Wir empfehlen Ihnen ein Update oder einen anderen Browser zum Besuch unserer Website.
 

Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 107/2022 vom 05.07.2022

Bayreuther Absolventin für wegweisende Dissertation zur Klimawandelforschung ausgezeichnet

Die Geographin Dr. Isabell Haag ist für ihre an der Universität Bayreuth entstandene Dissertation mit dem Wladimir Köppen Preis 2021 des Exzellenzclusters für Klimaforschung CLICCS ausgezeichnet worden. An der Universität Hamburg nahm sie am 4. Juli 2022 die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. In ihrer preisgekrönten Arbeit zeigt sie am Beispiel zweier Dörfer im Pamir-Gebirge in Tadschikistan, wie die Verknüpfung unterschiedlicher Wissenssysteme die internationale Forschung zum globalen Klimawandel voranbringen kann.

„Ausgangspunkt meiner Dissertation war die durch viele Forschungsbeiträge belegte Tatsache, dass sich der globale Klimawandel in den Regionen der Erde sehr unterschiedlich auswirkt. Gleichzeitig war das Wissen über Klimaänderungen in abgelegenen und dünn besiedelten Regionen, wie beispielsweise in den Hochlagen des Pamir, nur sehr lückenhaft. Deshalb wollte ich im Rahmen einer Fallstudie zeigen, wie es in einer solchen Region dennoch möglich ist, ein klares Bild über die Folgen des Klimawandels zu gewinnen. Dies ist eine notwendige Voraussetzung, um beispielsweise in der Landwirtschaft wirksame Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln“, sagt Dr. Isabell Haag, die heute im Klima-Zentrum des Bayerischen Landesamtes für Umwelt tätig ist.

Blick auf das Gebirgsdorf Savnob im Pamir. Foto: Isabell Haag.

In vielen Regionen der Erde werden umfangreiche Daten über den Klimawandel und seine Auswirkungen anhand von Messdaten, Satellitenbildern und Klimamodellen gewonnen. Diese Daten fügen sich ein in ein weltweit etabliertes Wissenssystem, das mit digitalen Techniken ständig erweitert und präzisiert wird. Im Pamir-Gebirge gibt es jedoch bis heute nur sehr wenige Messstationen, und auch die anhand von Satelliten- und Klimamodelldaten gewonnenen Erkenntnisse sind lückenhaft. Die Bayreuther Klimaforscherin hat in dieser Ausgangslage ein anderes, von der Forschung weitgehend vernachlässigtes Wissenssystem untersucht: das in langen Zeiträumen entstandene und tradierte Wissen der Bevölkerung vor Ort.

Automatische Wetterstation im Pamir. Foto: Isabell Haag.

Als Doktorandin in der von Prof. Dr. Cyrus Samimi geleiteten Abteilung für Klimatologie an der Universität Bayreuth besuchte Isabell Haag wiederholt zwei tadschikische Bergdörfer im Westen des Pamir. Interviews mit Hirten und Kleinbauern sowie eine Reihe von Workshops, an denen auch die dörflichen Autoritätspersonen teilnahmen, ergaben wichtige Erkenntnisse über klimatische Veränderungen. Als eine wertvolle Quelle erwies sich zudem die alte Tradition der ökologischen Kalender, in denen die Menschen in den Gebirgsdörfern Veränderungen in ihrer Umwelt dokumentiert haben. Es stellte sich heraus, dass sich die heutige Bevölkerung in diesen Dörfern der klimatischen Veränderungen im Pamir bewusst ist und bereits mit Anpassungsstrategien darauf reagiert hat – sei es beim Hausbau oder bei der Wahl der angepflanzten Obst- und Gemüsesorten.

Die preisgekrönte Bayreuther Dissertation zeigt daher beispielhaft, wie zwei unterschiedliche Wissenssysteme in ihrer systematischen Verknüpfung die internationale Forschung zum Klimawandel und seinen Folgen bereichern können: das Wissen der indigenen Bevölkerung einerseits und Messdaten auf der Basis moderner Forschungstechnologien andererseits. Aufgrund der in Tadschikistan gewonnenen Erkenntnisse hat Dr. Isabell Haag gezeigt, dass ein solcher transdisziplinärer Ansatz für die künftige Klimaforschung wegweisend sein kann.

Workshop und gemeinsames Essen mit Bewohnern eines Dorfs in Tadschikistan. Foto: Isabell Haag.

Zum Preis:
Der Wladimir Köppen Preis wird vom Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS) der Universität Hamburg ausgelobt. Er wird an Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler für herausragende Dissertationen vergeben. Dr. Isabell Haag ist bereits die zwölfte Preisträgerin. Der Preis ist nach dem deutsch-russischen Geographen, Botaniker, Meteorologen und Klimaforscher Wladimir Peter Köppen (1846 – 1940) benannt.

Link zur Veröffentlichung:
Isabell Haag: Climate Trend Detection in a Data-Scare Environment – A Transdisciplinary Study in the Pamir Mountains of Tajikistan. Diss. Universität Bayreuth, Bayreuth 2021. https://epub.uni-bayreuth.de/5711/1/Dissertation_Haag_final.pdf

Dr. Isabell Haag

Dr. Isabell Haag

Bayerisches Landesamt für Umwelt, Klimazentrum
E-Mail: isabell.haag@posteo.de

Profilbild Univ.-Prof. Dr. Cyrus Samimi

Univ.-Prof. Dr. Cyrus Samimi

Environmental Geography
Leiter der Arbeitsgruppe Klimatologie
Universität Bayreuth

Telefon: +49 (0)921 / 55-2237
E-Mail: cyrus.samimi@uni-bayreuth.de

Christian Wißler, Wissenschaftskommunikation

Christian Wißler

Stellv. Pressesprecher, Wissenschaftskommunikation
Universität Bayreuth

Telefon: +49 (0)921 / 55-5356
E-Mail: christian.wissler@uni-bayreuth.de