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Forscher der Universität Bayreuth im Verbund mit Industriepartnern für den Deutschen Zukunftspreis nominiert

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 120/2020 vom 09.09.2020

Heute hat das Bundespräsidialamt die Nominierungen für den Deutschen Zukunftspreis - eine der wichtigsten Wissenschaftsauszeichnungen in Deutschland - bekannt gegeben. Darunter Prof. Dr.-Ing. Thorsten Gerdes (UBT), Dipl.-Ing. (FH) Friedbert Scharfe (Maxit) und Dr. rer. nat. Klaus Hintzer (Dyneon/3M). Sie haben „ecosphere“ - ein neuartiges, umweltfreundliches System spritzbarer Dämmung mit Mikro-Hohlglaskügelchen - im Team entwickelt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Preisträger am 25. November 2020 bekanntgeben.

Prof. Dr.-Ing. Thorsten Gerdes (UBT), Dipl.-Ing. (FH) Friedbert Scharfe (Maxit) und Dr. rer. nat. Klaus Hint-zer (Dyneon/3M). iconZoomOverlay

Um die Klimaerwärmung zu begrenzen, muss der Ausstoß an Treibhausgasen deutlich reduziert werden, unter anderem durch einen geringeren Energieverbrauch. Eine wichtige Rolle spielt eine verbesserte Wärmedämmung von Wohn- und Gewerbegebäuden, die in Deutschland rund ein Fünftel zu den gesamten Treibhausgasemissionen beitragen. Die Nominierten Dipl.-Ing. (FH) Friedbert Scharfe (Leiter F&E bei Franken Maxit Mauermörtel GmbH & Co, Azendorf), Prof. Dr.-Ing. Thorsten Gerdes (Leiter des Keylab Glastechnologie am Lehrstuhl Keramische Werkstoffe der Universität Bayreuth) und Dr. rer. nat. Klaus Hintzer (Corporate Scientist der Dyneon GmbH, Burgkirchen, ein Unternehmen des 3M-Konzerns) haben ein innovatives Dämmsystem geschaffen, mit dem sich die energetische Sanierung beflügeln lässt. Es beruht auf einem neuartigen Mörtel und winzigen Glaskugeln. „Ecosphere“ hat eine besonders gute wärmeisolierende Wirkung, lässt sich kostengünstig herstellen und leicht verarbeiten. Es ist robust, flexibel einsetzbar und nach dem Ende der Nutzungsdauer recycelbar.  

Die Idee, die mikroskopischen Hohlglaskugeln in Baustoffen einzusetzen, kam von Friedbert Scharfe, Leiter Forschung und Entwicklung bei Maxit, wo er bereits mit 3M Glass Bubbles im Bereich Farben experimentiert hatte. Im Rahmen eines Forschungsprojekts - finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung -  wurde dann „ecosphere“ gemeinsam entwickelt. „Den Sand in Zement-basierten Baustoffen durch ultraleichte Hohlglaskügelchen zu ersetzen, war sicher der entscheidende Durchbruch“, sagt Gerdes. Seinen Worten nach ist die Kombination aus der mineralischen Bindemittelphase mit hohem Anteil der richtigen Glass Bubbles, die sich durch einen Spritzprozess verarbeiten lässt, die besondere Innovation. Das Keylab Glastechnologie der UBT war für die Optimierung der Anbindung der 3M Glass Bubbles an das Bindemittel, die Charakterisierung der Materialeigenschaften und die Entwicklung eines Verständnisses, wie die unterschiedlichen Porositäten die Dämmeigenschaften beeinflussen, verantwortlich.

Mikrohohlglaskügelchen in einem Glasbehälter. iconZoomOverlay

Im Keylab Glastechnologie wird seit 2016 mit Partnern aus der Industrie und dem Mittelstand an zukunftsfähigen Lösungen entlang der Prozesskette der Glasherstellung gearbeitet. „Eine wesentliche Voraussetzung für marktwirksamen technischen Fortschritt ist die Verbindung von grundlegender mit anwendungsorientierter Forschung. Darüber hinaus verlangt die Komplexität der meisten Aufgaben verschiedenartige Kompetenzen, welche miteinander vernetzt werden müssen“, sagt Gerdes. Die Universität Bayreuth zeichnet sich durch eine solche vernetzte inhaltliche Vielfalt aus. Das Key Lab Glastechnologie vereint physikalische, chemische, material- sowie ingenieurwissenschaftliche Expertise für das Themengebiet Glas. Dort können Ideen für neuartige Konzepte und Verfahrensvarianten zügig erprobt werden.

Das Keylab Glastechnologie führt Simulationsrechnungen durch, mit denen sich auch verborgene Eigenschaften oder schwer zu messende Größen von Glasprozessen und Glasprodukten bestimmen lassen. Die Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise zur Verbesserung von Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen. Am Keylab werden auch Möglichkeiten erforscht, die Beschichtung von Glas durch den Einsatz von Mikrowellentechnologie weiter zu verbessern. Ebenso betreibt es die Entwicklung völlig neuer Anlagen- und Betriebskonzepte für die Glasherstellung. Ein wichtiges Arbeitsfeld des Keylab ist Recycling: Zusammen mit Industriepartnern arbeitet man an der Weiterentwicklung und Verfeinerung des Recyclings, sowie an der Rückgewinnung der Schwermetalle aus Altglas als wichtige Rohstoffe. Alle Projekte werden gemeinsam mit in der Region angesiedelten, weltweit operierenden Industrieunternehmen betrieben – erfolgreich: Die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis ist eindrucksvoller Beweis dafür.

Ein Roboter spritzt Putz auf eine Wand iconZoomOverlay

Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible gratuliert Gerdes und seinem Team im Namen der Universität Bayreuth: „Diese Nominierung ist nicht nur eine beeindruckende Anerkennung der persönlichen wissenschaftlichen Leistung von Professor Gerdes, sie untermauert auch seine Fähigkeiten, ein Team motivierter Forscherinnen und Forscher zu formen und in mitunter frustrierenden Entwicklungsphasen bei der Stange zu halten. Darüber hinaus manifestiert sich in dieser Nominierung, dass Professor Gerdes den für die Universität Bayreuth und die Region äußerst wichtigen Transfer zwischen Wissenschaft und Industrie besonders erfolgreich betreibt. Vielen Dank für Ihren Einsatz!“

Mit dem Deutschen Zukunftspreis – Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation werden hervorragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche sowie Software- oder Algorithmen-basierte Innovationen ausgezeichnet. Der Bundespräsident würdigt damit Projekte, die ausgehend von exzellenter Forschung zu anwendungs- und damit zu marktreifen Produkten führen, wirtschaftliches Potenzial entfalten und Arbeitsplätze schaffen. Der Preis ehrt die Menschen, die hinter diesen Entwicklungen stehen. Der Deutsche Zukunftspreis – Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation wird jährlich vergeben und ist mit 250.000 Euro dotiert. Er gilt als eine der wichtigsten Wissenschaftsauszeichnungen in Deutschland.

Die Präsentation im Deutschen Museum am 9.9.2020 ab 18.00 Uhr wird hier live übertragen:
https://www.deutscher-zukunftspreis.de/de 
 

Zum Download

Kontakt:

Prof. Dr.-Ing. Thorsten Gerdes
Leiter des Keylab Glastechnologie
Lehrstuhl Keramische Werkstoffe
Universität Bayreuth
Prof.-Rüdiger-Bormann-Str. 1
D-95447 Bayreuth
Tel.: +49 (0) 921 / 55 – 65 04
E-Mail: thorsten.gerdes@uni-bayreuth.de


Redaktion:

Anja-Maria Meister
Pressesprecherin
Universität Bayreuth
Tel.: + 49 (0) 921 55 - 5300
Mail: anja.meister@uni-bayreuth.de

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