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3D-Rekonstruktion der historischen Kemenate in Schloss Thurnau

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 008/2020 vom 28. Januar 2020

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es wäre, den Geist der Jahrhunderte atmen und verlorene Räume in ihrem mutmaßlichen Originalzustand betreten zu können? In ihrem spannenden interdisziplinären Projektansatz haucht nun ein Team von Bayreuther Geschichtswissenschaftlern und Informatikern der Vergangenheit wieder Leben ein: Die Wissenschaftler haben die Originaleinrichtung des ‚Rothe Zimmers‘ in der hohen Kemenate von Schloss Thurnau, lange Zeit Stammsitz der Grafen von Giech, anhand historischer Quellen recherchiert. Daraus entsteht nun das 3D-Modell dieses heute verlorenen historischen Raumes, das zeigen wird, wie das ‚Rothe Zimmer‘ im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Im Februar-Stadtgespräch berichtet das Forscherteam über seine Arbeit.


Thema:


3D-Rekonstruktion der historischen Kemenate in Schloss Thurnau

Referenten:

Dr. Marcus Mühlnikel, Dr. Robert Schmidtchen (Geschichte), Felix Liedel (Medienwissenschaft) und Prof. Dr. Michael Guthe (Angewandte Informatik) - alle Universität Bayreuth

Termin:Mittwoch, 5. Februar 2020
Zeit:18 Uhr
Ort:

Iwalewahaus, Ecke Wölfelstraße / Münzgasse, in 95444 Bayreuth

Interessierte Bürger sind herzlich ins Iwalewahaus eingeladen! Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Zum Vortrag

Die Idee für eine gemeinsame Lehrveranstaltung, die die Abbildung eines historischen Raumes zum Ziel hatte, entwickelte sich in einem Kollegengespräch: Dr. Robert Schmidtchen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte, hatte in den letzten Jahren schon mehrere Veranstaltungen an der Schnittstelle zwischen Geschichts- und Medienwissenschaften / Informatik angeboten. Dr. Marcus Mühlnikel vom Institut für Fränkische Landesgeschichte hatte sich mit den Sammlungen der Grafen Giech beschäftigt. Die Sammlungen, seit den 1860er Jahren auf Schloss Thurnau zu besichtigen, befinden sich heute größtenteils im Besitz der Familie Hiller von Gaertringen und lagern in einem Depot.

Beide Wissenschaftler stellten sich die Frage, wie es sich technisch realisieren ließe, zumindest einen Teil der Ausstellung zu rekonstruieren und damit die Exponate in ihren ursprünglichen Sammlungszusammenhang zu setzen. Dies erschien auch deshalb sehr lohnenswert, weil sich einige der Stücke mittlerweile in anderen Ausstellungen oder privaten Sammlungen befinden und eine physische Zusammenführung der Exponate heute unmöglich ist. Im Rahmen einer gemeinsam durchgeführten Lehrveranstaltung im laufenden Wintersemester zum Thema ‚Rekonstruktion verlorener historischer Räume‘ wurden die Studierenden sowohl in die Geschichte des Schlosses Thurnau und die Provenienzforschung als auch in die Möglichkeiten der 3D-Modellierung eingeführt. Wichtige Unterstützung erhielten die Historiker hierbei von der Informatik: Prof. Dr. Michael Guthe, Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Informatik V an der Universität Bayreuth, und Darius Rückert, Doktorand der Universität Erlangen, stellten ihr Fachwissen zur Verfügung.

3D-Rekonstruktion der historischen Kemenate in Schloss Thurnau

Zunächst wurde – auf Basis hunderter Fotografien – das ‚Rothe Zimmer‘ erfasst und mithilfe entsprechender Software in ein ‚begehbares‘ 3D-Modell umgewandelt. Anschließend galt es, auf gleiche Weise die ursprünglich im Raum befindlichen Gegenstände – darunter Tapisserien, Totenschilde, einen Kunstschrank und weiteres Mobiliar – abzubilden. Bei einigen Exponaten konnte man lediglich auf einzelne Fotografien zurückgreifen, da eine detaillierte Erfassung von den aktuellen Besitzern nicht genehmigt wurde oder weil der Aufenthaltsort der Exponate nicht bekannt ist. Die digitalisierten Gegenstände wurden schließlich maßstabgenau in das 3D-Modell eingepasst (siehe Abb.). Die letzte Aufgabe oblag wiederum den Historikern. Sie schrieben Informationstexte zu den einzelnen Exponaten, die in das 3D-Modell eingebettet wurden. Die digitale Version des ‚Rothen Zimmers‘ ist zwar noch nicht vollendet. Das im Rahmen des Seminars entstandene Modell dokumentiert aber bereits das Potential, das in der Zusammenarbeit von Geschichtswissenschaft und Informatik in diesem Bereich liegt. Die Bereitstellung des Modell über einen Uni-Server ist geplant.

Im Februar-Stadtgespräch werden nun Dr. Marcus Mühlnikel und Dr. Robert Schmidtchen (Geschichte), Felix Liedel (Medienwissenschaft) sowie Prof. Dr. Michael Guthe (Angewandte Informatik) die Arbeitsweisen der unterschiedlichen Disziplinen erläutern und sowohl auf die Grenzen als auch das Potential von Digitalisierung und digitalen Museen aus ihren fachlichen Blickwinkeln eingehen.  

Iwalewahaus

Die Bayreuther Stadtgespräche...

bringen seit Juli 2014 den Bürgern von Stadt und Region wissenschaftliche Themen allgemein verständlich aufbereitet näher. Im Rahmen der monatlichen Veranstaltungsreihe werden abwechselnd ein oder mehrere Referenten der Universität Bayreuth, anderer Universitäten oder Institute sowie aus der (Hochschul-)Politik eingeladen.

Die Bayreuther Stadtgespräche stehen unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des Universitätspräsidenten sowie des Universitätsvereins Bayreuth e.V. und werden in Zusammenarbeit mit dem Universitäts-Forum Bayreuth, dem Kollegium Bayreuther Universitätsprofessoren (i.R.), veranstaltet.

Die Vorträge finden i.d.R. jeweils am ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr im Iwalewahaus der Universität Bayreuth, Ecke Wölfelstraße / Münzgasse, in 95444 Bayreuth statt. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen! Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Das nächste Stadtgespräch…

findet dann am Mittwoch, 4. März 2020, statt und thematisiert ‚Das Kunststoffzeitalter: Unsachliche Berichterstattungen zum Thema Mikroplastik verunsichern Verbraucher. Was Forscher wirklich (nicht) wissen und zukunftsweisende Lösungsansätze‘. Der Bayreuther Lehrstuhlinhaber Tierökologie I und Sprecher des DFG Sonderforschungsbereiches 1357 Mikroplastik an der Universität Bayreuth, Prof. Dr. Christian Laforsch, und der südafrikanische Künstler Mbongeni Buthelezi, der Plastikabfälle zu ausdrucksstarken Bildern verarbeitet, werden dann die Referenten sein.


Kontakt/Organisation der Bayreuther Stadtgespräche:

Angela Danner
Leitung Corporate Identity
Stabsabteilung Presse, Marketing, Kommunikation – Corporate Identity
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / ZUV
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-5323
E-Mail: angela.danner@uni-bayreuth.de
www.stadtgespraeche.uni-bayreuth.de



Redaktion:

Brigitte Kohlberg
Stv. Pressesprecherin – Hochschulkommunikation
Marketing Communications
Stabsabteilung Presse, Marketing und Kommunikation
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / ZUV
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-5357 oder -5324
E-Mail: pressestelle@uni-bayreuth.de
www.uni-bayreuth.de/de/universitaet/presse
 

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