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Bayreuther Studie: Medienberichte über Migration verstärken Sorge vor Fremdenfeindlichkeit

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 035/2019 vom 02.04.2019

Je häufiger Medien in Deutschland über Migration berichten, desto größer werden die Sorgen in der Bevölkerung. Dies hat eine internationale Forschergruppe unter der Leitung des Bayreuther Ökonomen Prof. Dr. David Stadelmann nachgewiesen. Die im Journal of Economic Behavior & Organization veröffentlichte Studie zeigt, dass Migrationsängste, aber auch die Sorge vor Fremdenfeindlichkeit steigen, sobald in den Medien mehr über Einwanderung berichtet wird. Diese Zusammenhänge sind weitgehend unabhängig davon, ob Migration eher positiv oder eher negativ dargestellt wird. Sie sind am stärksten ausgeprägt, wenn die Einwanderer selbst und nicht allgemeine Sachfragen in den Fokus rücken.

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Die Studie greift auf repräsentative Befragungen zurück, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Rahmen des Sozio-oeconomischen Panel (SOEP) durchführt. Im Einzelnen stützt sie sich auf Interviews mit 35.200 Einzelpersonen in allen deutschen Bundesländern aus den Jahren 2009 bis 2014. Die Sorgen der Befragten in Bezug auf Einwanderer und Migration haben die Wissenschaftler mit Informationen zu Medienberichten abgeglichen, die wenige Tage oder sogar nur einen Tag zuvor in Deutschland veröffentlicht wurden. Datengrundlage hierfür waren die Auswertungen des Media Tenor International, eines Unternehmens, das sich auf Inhaltsanalysen von Medien spezialisiert hat. In die Untersuchung einbezogen wurden insbesondere TV-und Radio-Nachrichten, TV-Magazine, Nachrichtenmagazine und Sonntagszeitungen mit jeweils hoher Reichweite.

Auf dieser Basis konnten die Wissenschaftler mit hoher Genauigkeit Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sichtbar machen. So stellte sich beispielsweise heraus, dass die gleichen Medienberichte bei Frauen, Arbeitslosen und älteren Menschen vergleichsweise größere Besorgnisse auslösen als bei Männern, Berufstätigen und Jüngeren. Die Sorgen, die durch zunehmende Medienberichte über Einwanderer gestärkt werden, beziehen sich dabei nicht allein auf den Vorgang der Einwanderung selbst. Sie gelten auch und vor allem einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit, die durch häufige Berichterstattung ausgelöst werden könnte. Als schwächer erweist sich hingegen der Einfluss der Medienberichterstattung über Migration, wenn es um Sorgen vor einem Anstieg der Kriminalität oder vor zunehmender Arbeitslosigkeit geht. „Es fällt auf, dass die durch Medienberichte ausgelösten Besorgnisse zu einem erheblichen Anteil nicht die Einwanderer selbst, sondern das Meinungsklima im eigenen Land betreffen. Viele Menschen befürchten, dass Vorbehalte und Ängste gegenüber Migranten oder generell gegenüber Ausländern zunehmen, sobald das Thema Einwanderung verstärkt in Massenmedien thematisiert wird“, erklärt der Bayreuther Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. David Stadelmann, der die Studie koordiniert hat.

Die kausalen Zusammenhänge zu identifizieren, war für die Autoren der Studie eine besondere Herausforderung. Denn falls häufigere Medienberichte über Migration mit zunehmenden Besorgnissen in der Öffentlichkeit einhergehen, könnte dies möglicherweise auch dadurch erklärbar sein, dass äußere Ereignisse parallel in beide Richtungen wirken: Sie befeuern die Medien und beunruhigen die Öffentlichkeit. Um derartige Erklärungen auszuschließen und eine kausale Wirkung von Medien auf Besorgnisse in der Bevölkerung möglichst genau nachweisen zu können, haben sich die Wissenschaftler eines ungewöhnlichen Kunstgriffs bedient. Sie haben zusätzlich zur gesamten Berichterstattung auch speziell Berichte deutscher Medien über Volksabstimmungen in der Schweiz untersucht, in denen es um Migrationsfragen ging – beispielsweise die in der Schweiz abgehaltene Abstimmung unter dem Titel „Für die Ausschaffung krimineller Ausländer“. „Sobald die Ergebnisse der Volksabstimmungen in der Schweiz feststanden, haben sie unmittelbar danach auch in Deutschland einen signifikanten Anstieg der Medienberichte ausgelöst. Da unmittelbar nach diesen Medienberichten die Sorgen über Migration in Deutschland steigen, handelt es sich um einen direkten Einfluss der Medienberichterstattung auf die Meinungen und Emotionen der Bürger“, sagt Stadelmann.

Veröffentlichung:

Christine Benesch, Simon Loretz, David Stadelmann, Tobias Thomas: Media Coverage and Immigration Worries: Econometric Evidence, Journal of Economic Behavior and Organization, 160, 52-67, 2019.
DOI: 10.1016/j.jebo.2019.02.011

Kontakt:

Prof. Dr. David Stadelmann
Entwicklungsökonomik
Universität Bayreuth
Telefon: +49 (0) 921 / 55-6077
E-Mail: david.stadelmann@uni-bayreuth.de


Redaktion:

Christian Wißler
Stabsabteilung Presse, Marketing und Kommunikation
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / ZUV
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-5356
E-Mail: christian.wissler@uni-bayreuth.de

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