Universitätsgeschichte

Kurzer institutionsgeschichtlicher Abriss

Das akademische Leben in Bayreuth hatte seinen historischen Ursprung in der am 21. März 1742 eröffneten Friedrichs-Akademie, die jedoch bereits nach wenigen Wochen nach Erlangen verlegt und dort zur Friedrich-Alexander-Universität wurde. Dieser Anfang blieb für Bayreuth eher eine ideelle Erinnerung, archivalische Überlieferung ist der Stadt und ihrem Universitätsarchiv daraus nicht erwachsen.

Ein zweiter Ursprung ist in der Entwicklung der Lehrerausbildung in Bayreuth zu sehen, deren Kontinuität mit der Eröffnung des Königlichen protestantischen Lehrerseminars Oberfranken am 2. Oktober 1895 begann, das in die spätere "Lehrerbildungsanstalt Bayreuth" mündete. Zwischen 1936 und 1942 firmierte sie wie auch alle ähnlichen Institute in Deutschland unter der Bezeichnung "Hochschule für Lehrerbildung".

Nach dem Krieg wurde zunächst die 1941 von der evangelischen Kirche gegründete Lehrerinnenbildungsanstalt weitergeführt. Ab 1954 gab es das Institut für Lehrerbildung. Nach Inkrafttreten des Lehrerbildungsgesetzes wurde das Institut 1958 zur Pädgagogischen Hochschule der Universität Erlangen-Nürnberg umgewandelt und war seit 1972 deren "Zweite Erziehungswissenschaftliche Fakultät".

Als Folge der bildungspolitischen Veränderungen in der Bundesrepublik, die in den 1960er Jahren nicht zuletzt durch das Bildungskatastrophen-Szenario von Georg Picht beeinflusst waren, kam es bundesweit zu einer großen Zahl von Universitätsneugründungen. Der erhöhte Zulauf zu den Gymnasien führte bald zu deutlichen Steigerungen der Studierendenzahlen. Die Absicht zur Regionalisierung der Universitätslandschaft war gleichsam eine notwendige Folge dieser Entwicklung, die sich auch in Bayern vollzog. In diese Richtung ging der Beschluss des Bayerischen Landtags von 1970, in Bayreuth eine neue Landesuniversität zu gründen. Das inhaltliche Grundkonzept war dabei von einer Konzentration auf Schwerpunktsetzungen bestimmt. Die Universität Bayreuth nahm ihren Lehrbetrieb als siebte bayerische Landesuniversität zum Wintersemester 1975/76 mit fünf Fakultäten auf. Bei der Gründung der Universität Bayreuth ging die Zweite Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg 1975 an diese über. Dort wurde die Fakultät aufgelöst und die einzelnen Fächer den jeweiligen Fachwissenschaften der fünf neuen Fakultäten zugeordnet.

Während bis 1975 die Hochschulausbildung in Bayreuth allein auf die Ausbildung zum Lehramt ausgerichtet war, wurde die inhaltliche Entwicklung von Forschung und Lehre seit der Aufnahme des Universitätsbetriebs davon geprägt, sich mit den Berührungs- und Schnittpunkten von Disziplinen aus der ganzen Bandbreite universitärer Wissenschaft zu befassen ("Schnittstellen-Philosophie", Interdisziplinarität) und auf dieser Basis in den zunächst fünf Fakultäten und besonderen Instituten auch Schwerpunkte für perspektivische Sonderforschungsgebiete zu entwickeln. Im Jahr 1998 kam als sechste Fakultät die Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften (heute Fakultät für Ingenieurwissenschaften) hinzu.

Nach wie vor sind Forschungsnähe der Ausbildung, Interdisziplinarität in Forschung und Lehre sowie spezialisierte Grundlagenforschung ein zentrales Anliegen der Universität. Die inhaltlichen Schwerpunkte an der Universität Bayreuth liegen heute unter anderem auf den Gebieten der Afrikaforschung, Hochdruck- und Hochtemperaturforschung, Polymer- und Kolloidforschung, Ökologie und Umweltwissenschaften, der neuen Materialien, molekularen Biowissenschaften, nichtlinearen Dynamik, Kulturbegegungen und transkulturellen Prozesse, Innovation und des Verbraucherschutzes, von Governance and Responsibility sowie auf dem Gebiet der Lebens- und Gesundheitswissenschaften.