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CIO Umfrage: Firmen nicht für Digitalisierung gerüstet

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 81/2017 vom 10. Juli 2017

Die Digitalisierung überholt die Unternehmen und die IT-Verantwortlichen haben noch keine Antworten auf zentrale Fragen der IT-Gestaltung. Das ist zusammengefasst die Erkenntnis einer Studie der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik
FIT an der Uni Bayreuth gemeinsam mit der Managementberatung A.T. Kearney.

Interviews mit zehn Chief Information Officers (CIOs) international agierender Unternehmen und eine
Online-Umfrage mit 140 internationalen Führungskräften der oberen Führungsebenen brachten
ernüchternde Erkenntnisse: „Vielen ist unklar, worin genau die Bedrohungen bestehen, welche
Eigenschaften IT-Setups heute haben müssen und wie die Transformation dorthin aussehen soll“, sagt
Prof. Dr. Maximilian Röglinger von der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik. „Die CIOs geben offen zu,
bei der Digitalisierung und dem richtigen IT-Setup im Dunkeln zu tappen“, meint Michael Römer,
Leiter des Bereichs Digitale Transformation für Europa, den Mittleren Osten und Afrika bei A.T.
Kearney.


Mehr als 70 Prozent der Befragten haben zwar bereits eine digitale Agenda, scheitern jedoch oftmals
an der Umsetzung: So geben zwei Drittel der Befragten an, ihre IT genüge nicht den Anforderungen
an ein digitales Unternehmen – und ein Drittel (27 Prozent) lässt sich als ‚digital deniers‘ bezeichnen,
die weder für den digitalen Wandel gerüstet sind, noch diesen systematisch verfolgen. Zwei Drittel der Befragten glauben, dass ihre komplexen und heterogenen Prozesse, Strukturen und IT-Landschaften
sie daran hindern, schnell und flexibel auf Veränderungen im Umfeld zu reagieren, um
konkurrenzfähig zu bleiben. „Es ist alarmierend, dass eine überwältigende Mehrheit der Top-Manager
meint, ihre IT könne mit dem digitalen Wandel nicht Schritt halten“, sagt Römer.


„Digitale Labs werden von mehr als zwei Dritteln kritisch gesehen, da sie der Systemintegration und
Wertschöpfung viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. In vielen Unternehmen entsteht so eine
Lähmung und ein Warten auf die ultimative Lösung, die es nicht gibt.“ Knapp 70 Prozent der
Befragten halten IT-Innovationslabore nicht mehr für die richtige Herangehensweise und fast ebenso
viele sehen auch das Konzept der bimodalen IT – also die Trennung in eine agile und eine plangetriebene IT – als gescheitert. „Mit Schnellbooten allein werde ich meinen Tanker nicht wenden
können“, kommentiert Prof. Röglinger die Ergebnisse der Studie: „Die Lösung liegt in der Integration:
Fach- und IT-Seite müssen stärker miteinander verschmelzen. Konzepte wie integrierte Solution
Teams, bei denen IT- und Fachexperten gemeinsam die Verantwortung für eine IT-Lösung über den
gesamten Produktlebenszyklus hinweg übernehmen, werden als vielversprechend erachtet.“


Mehr als drei Viertel der Befragten sehen es als zwingend an, die bisherige Trennung zwischen Fach- und
IT-Seite zu überwinden. Zugleich ist die Vernetzung in Ökosystemen, in denen mehrere
Unternehmen ihre Kompetenzen bündeln, um die Bedürfnisse ihrer Kunden bedienen zu können, in
ihren Augen ein kritischer Erfolgsfaktor: 70 Prozent der Befragten wünschen sich daher eine modular
aufgebaute IT-Infrastruktur, die es dem Unternehmen erlaubt, an digitalen Ökosystemen teilzuhaben.


Handlungsbedarf sehen die Unternehmen auch bei der Qualifikation und dem digitalen Mindset: 70
Prozent fordern Training und Weiterbildung der Mitarbeiter für die Digitalisierung und
überwältigende 90 Prozent verorten den Qualifikationsbedarf auch im mittleren und oberen
Management. Mehr Mut zu Veränderung und ein besseres Gespür für digitale Geschäftsmöglichkeiten
wie smarte Produkte und Dienstleistungen seien vonnöten. Dabei sind sich drei Viertel einig, dass der
digitale Wandel ohne externe Unterstützung nicht zu bewältigen sei.

Die Studie ‚Designing IT Setups in the Digital Age‘ finden Sie hier: http://www.wi.uni-bayreuth.de/de/news/20170623_ATK/index.html. Weitere Infos: www.digital.fim-rc.de/ .


Hintergrund:

Die bundesweit erste Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer Institut für Angewandte
Informationstechnik (FIT) vereint die Forschungsbereiche Finanz- & Informationsmanagement
in Augsburg und Bayreuth. Sie verbindet ausgewiesene Expertise in Finanzmanagement, Informationsmanagement
und Wirtschaftsinformatik, methodisches Know-how auf höchstem wissenschaftlichen
Niveau mit einer kunden- und lösungsorientierten Arbeitsweise. FIT unterstützt inter- und
transdisziplinär bei der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien. www.fit.fraunhofer.de/wi

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter
ihrem Dach arbeiten 67 Institute an Standorten in ganz Deutschland. Mehr als 23 000 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter bearbeiten das jährliche Forschungsvolumen von 2 Milliarden Euro.

https://www.fraunhofer.de/

A.T. Kearney zählt zu den weltweit führenden Unternehmensberatungen für das Top-Management
und berät sowohl global tätige Konzerne als auch führende mittelständische Unternehmen und öffentliche
Institutionen. A.T. Kearney unterstützt Klienten bei der Transformation ihres Geschäftes und
ihrer Organisation. www.atkearney.de


Kontakt:

Prof. Dr. Maximilian Röglinger
Professur für Wirtschaftsinformatik und Wertorientiertes Prozessmanagement, Universität Bayreuth
Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT
maximilian.roeglinger@uni-bayreuth.de
http://www.fim-rc.de


Redaktion:


Anja-Maria Meister
Pressesprecherin
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / ZUV
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-5300 oder -5324
E-Mail: pressestelle@uni-bayreuth.de; anja.meister@uni-bayreuth.de
www.uni-bayreuth.de
  

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