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Der Dies Academicus der Universität Bayreuth 2016

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 154/2016 vom 21. November 2016

Die junge Universität Bayreuth hat im Lauf der letzten Monate wertvolle Projekte angestoßen, neue interdisziplinäre Studiengänge erfolgreich eingeführt und internationale Kooperationen gestärkt. Eine wiederkehrende Möglichkeit, das akademische Jahr Revue passieren zu lassen, ist der jährlich Ende November begangene Dies Academicus. Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible gab am 17. November einen tiefen Einblick, was den Campus Bayreuth 2016 bewegte und vergaß dabei nicht, einen Ausblick in die Bereiche Forschung und Lehre zu gewähren. Garniert wurde die Feier mit einer launigen Ansprache des Festredners Michael Lerchenberg, Schauspieler, Intendant und Mitglied des Kuratoriums der Hochschule.

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Prof. Dr. Stefan Leible, Präsident der Universität Bayreuth, betonte bei seiner Ansprache im Audimax: „Unsere Universität kann erneut auf hervorragende Leistungen verweisen.“ Dabei hob er die Gewichtung der Hochschule als attraktive Forschungs-, Lehr- und Transfereinrichtung heraus. Die erfolgreiche Systemakkreditierung sei für den Bayreuther Campus ein wichtiger Meilenstein. „Über das Qualitätssiegel, das der Universität Bayreuth ohne Auflagen zuerkannt worden ist, freuen wir uns insbesondere deshalb, weil es einen herausragenden Vertrauensbeweis darstellt. Der Universität Bayreuth wird die Kompetenz und die Entschlossenheit zugetraut, hohe Qualitätskriterien für alle ihre Studiengänge festzulegen und diese Anforderungen in der Praxis verlässlich umzusetzen. Auf diese Weise stärkt die Systemakkreditierung auch den Autonomiegedanken, der für die Entwicklung eines individuellen Hochschulprofils unverzichtbar ist.“

Auch dieser Erfolg sei nur dem unermüdlichen Einsatz der Bayreuther Hochschulfamilie zu verdanken, die im Großen und im Kleinen Netzwerke stärke und Einsatz zeige. „Wir arbeiten noch enger mit universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen und agieren Hand in Hand mit der Wirtschaft.“ Herzlich dankte er u.a. dem Projektteam der Initiative „Refugees Welcome“: Seit über einem Jahr kommen Geflüchtete aus ganz Oberfranken an den Campus, um in täglich stattfindenden Deutschkursen ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Das Ziel, in Kürze ein Studium in Deutschland zu beginnen, haben die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei immer fest im Blick; die ersten drei von ihnen haben sich im Oktober 2016 erfolgreich immatrikuliert. Des weiteren stellte Prof. Leible bei seinem Jahresrückblick das Team „Green Campus“ heraus, das aktuell u.a. an der Einrichtung einer E-Tankstelle auf dem Campus arbeitet sowie ein Pfandsystem für Kaffeebecher prüft, um den Papiermüll effektiv und nachhaltig einzudämmen. 

Der Präsident schlug an dem stimmungsvollen Abend im Audimax jedoch auch einen nachdenklichen Ton an: „Wir leben in einer Zeit, in der Populisten auf dem Vormarsch sind. Ich meine: Die Lage ist ernst!“ Gleichzeitig bedauerte er, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland diese Wahrnehmung scheinbar noch nicht teilen würden. Seiner Ansicht nacht bedrohe der Populismus die gesellschaftliche und akademische Freiheit; beides gelte es zu verteidigen. „Die Universität als Institution ist zwar ‚a priori‘ unpolitisch, aber wir haben durchaus etwas zu sagen. Wir sollten uns aktiv einbringen."

Ausgezeichnete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Am Ende seiner Ansprache ehrte Präsident Leible im Rahmen der Jahresfeier herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Auszeichnungen bereits Anfang November im Rahmen des „President’s Dinners“ überreicht bekommen hatten:

Serawit Bekele Debele (26) aus Äthiopien ist seit 2012 in Bayreuth in der Graduiertenschule für Afrikastudien (Bigsas) tätig. 2015 wurde sie mit „summa cum laude“ promoviert. Sie erhielt den alle zwei Jahre vergebenen Preis des Internationalen Clubs zur Überwindung kultureller Gegensätze.

Shirin Assa (29) aus Teheran kam 2013 zum Masterstudium nach Bayreuth. Sie ist wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für englische Literaturen, arbeitet bei BIGSAS und engagiert sich in vielfältiger Form für das Campusleben. Sie bekam den Preis des Deutschen Akademischen Austausch-Dienstes (DAAD).

Jörg Rambau, seit 2004 Professor für Wirtschaftsmathematik in Bayreuth, wurde mit dem Goldenen Raben für herausragende Lehre ausgezeichnet.

Julia Hörnig und Christian Brück erhielten den Christian-Karl-Schmidt-Preis für hervorragende Leistungen als wissenschaftliche Mitarbeiter. Julia Hörnig ist am Lehrstuhl Zivilrecht III von Prof. Volker Wiese tätig. Christian Brück war Mitarbeiter am Lehrstuhl BWL XII (Controlling) und wechselte kürzlich an die Ruhr-Universität Bochum.

Christian Gleißner, Carolin Köhler und Hannes Liebrandt erhielten den Preis der Stadt Bayreuth. Damit werden jedes Jahr bis zu drei herausragende Dissertationen ausgezeichnet. Christian Gleißner schloss sein Mathematikstudium 2011 mit „sehr gut“ ab, 2016 wechselte er an die Universität Trento. Carolin Köhler wurde mit einer Arbeit über die Sicherheitskultur an Kliniken „summa cum laude“ promoviert und leitet seit 2015 die Abteilung Interne Revision am Klinikum Bayreuth. Der Historiker Hannes Liebrandt wurde für seine Untersuchung der Suizide nationalsozialistischer Funktionäre ausgezeichnet.

Benjamin Gilfedder erhielt den Wissenschaftspreis des Universitätsvereins. Der gebürtige Australier leitet seit 2013 die Limnologische Forschungsstation an der Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften in Bayreuth.

Exzellent verankert

Die besten Grüße aus München überbrachte zum Akademischen Jahrestag Dr. Peter Müller, Ministerialdirektor und Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. „Ich begleite diese Hochschule schon sehr lange und es ist mir eine echte Freude zu sehen, wie sich die Universität Bayreuth entwickelt hat: Sie hat sich etabliert, hat sich fachlich und in der Wissenschafts-Community sowie im lokalen, gesellschaftlichen Geflecht vor Ort exzellent verankert.“ Er sicherte der anwesenden Hochschlulleitung zu: „Wir werden Sie weiterhin und mit aller Kraft bei Ihren Vorhaben unterstützen."

Reflexionen über die universitäre Ausbildung

In seinen Festvortrag „Bichi, Bachi, Bachelor – Reflexionen über die universitäre Ausbildung“ leitete Michael Lerchenberg (Autor, Regisseur, Intendant, Schauspieler und geschätztes Mitglied des Kuratoriums der Universität Bayreuth) mit den Worten ein: „Ich muss Sie warnen: Ich bin kein Wissenschaftler, kein wichtiger Kulturpolitiker und schon gar kein Staatsminister.“ Seine zentrale Frage am Abend: Welchen Wert hat der Bachelorabschluss im universitären System heute? „Ist nicht der Bachelor der Ersatz für unsere allgemeine Hochschulreife, weil das Abitur zu einem Massenartikel verkommen ist? Was wird den Studierenden an den Universitäten geboten? Waren die Ziele des Bologna-Prozesses nicht, vergleichbare Abschlüsse zu schaffen, die Mobilität zu fördern und eine am Arbeitsmarkt orientierte Beschäftigungsfähigkeit sicherzustellen?“ Herausgekommen sei vielmehr eine Studienreform auf dem kleinsten, europäischen Nenner. Man weine dem guten Diplom ‚made in Germany‘ nach. „Die Bundesregierung ist stolz darauf, dass 60% der Bachelorabsolventen einen Arbeitsplatz finden. Wäre das als Intendant meine Quote, wäre ich die längste Zeit Intendant gewesen.“ Der Impuls zur Reform von kritikwürdigen Studienangeboten könne aber nur aus der Hochschule selbst kommen. Seine besondere Kritik galt der Tatsache, dass der Staat „systemrelevante Studiengänge wie Lehrer, Mediziner und Juristen“ nicht der Reform unterworfen habe: „Die schreiben weiterhin ihre hoch geschätzten Staatsexamen.“

Das Fazit des Festredners: „Die Reduktion der Studienzeit hat zur totalen Verschulug der universitären Lehre geführt. Dabei bleibt unbeachtet: Der ein oder andere braucht eben länger, um seinen Weg in die Arbeitswelt zu finden. Man sollte auch qualifiziert scheitern dürfen.“ Am Ende des Studiums wüssten viele nicht, wie es weitergehen soll und was sie eigentlich erreichen wollen. „Wir hatten damals Zeit zur Orientierung und auch Zeit, um zu scheitern. Dennoch ist aus uns etwas geworden, wir sind unseren Weg gegangen. Unsere Masterkandidaten heute sollen auf einmal eigenverantwortlich handeln. Dabei hat man ihnen genau das 15 Jahre lang an Schulen und Universitäten ausgetrieben. Ich unterstütze die Freiheit der Lehre nachdrücklich. Aber wir dürfen kein akademisches Prekariat entwicklen.“ Was er jungen Bachelorstudierenden rate? „Lasst Euch Zeit, stürzt Euch nicht in den erstbesten Studiengang, macht ein Orientierungsjahr und Praktika.“ Die jungen Menschen hätten seiner Ansicht nach 'Besseres' verdient. „Belastbare Abschlüsse und qualifizierte Studieninhalte. An den Hochschulen ist doch die Zukunft, die Kraft, die Phantasie zu Hause.“


Redaktion:


Tanja Heinlein
Pressesprecherin
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / ZUV
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-5300 oder -5324
E-Mail: pressestelle@uni-bayreuth.de; tanja.heinlein@uni-bayreuth.de
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