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Universität Bayreuth ist seit heute erste Fairtrade University Bayerns

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 114/2016 vom 08. Juli 2016

Die Universität Bayreuth darf sich seit heute Bayerns erste Fairtrade University nennen. Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible nahm stellvertretend für die gesamte Hochschulfamilie der Universität Bayreuth die Auszeichnung von TransFair e.V. im Rahmen des Netzwerktreffens ‚Hochschule und Nachhaltigkeit‘ in Nürnberg entgegen.


Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible erhielt die Urkunde ‚Fairtrade University‘ von Hannah Ursula Rüther. Sie ist Entwicklungspolitische Referentin und Externe Referentin der Fairtrade Towns und Fairtrade Schools Kampagnen Region Süddeutschl

„Die heutige Auszeichnung als Fairtrade University ist die Anerkennung eines intensiven Prozesses hin zu einem Green Campus, der in einem gemeinsamen Kraftakt unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unserer engagierten Studierenden und in enger Kooperation mit dem Studentenwerk Oberfranken in wenigen Monaten auf den Weg gebracht werden konnte“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible bei der Urkundenübergabe, die im Rahmen des Netzwerktreffens ‚Hochschule und Nachhaltigkeit‘ an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg stattfand .

Noch Ende 2015, so Prof. Leible, habe es an der Universität Bayreuth wenig sichtbares Engagement zum Thema Nachhaltigkeit gegeben, lediglich durch vereinzelte Akteure im Ökologisch-Botanischen Garten, in der Zentralen Technik und im Studentenwerk Oberfranken seien Projekte angestoßen worden, wie bspw. die Verwendung von Ökostrom oder das Angebot von veganen Gerichten und Fairtrade Kaffee in der Mensa. „Doch vielen – einschließlich mir – war unbekannt, in welchen Bereichen der Nachhaltigkeit wir gut waren und welche Felder noch unerschlossen vor uns liegen“, berichtete der Universitätspräsident.

Doch Dank interdisziplinärer und zukunftsorientierter Studiengänge wie bspw. Global Change Ecology oder Philosophy & Economics gebe es in Bayreuth, so Prof. Leible, zahlreiche hochmotivierte und kritische Studierende mit Ideen und Tatendrang, in Sachen Nachhaltigkeit aktiv zu werden. Einer dieser Studierenden, nämlich Patrick Held, fungiere seit Ende 2015 als Persönlicher Referent des Präsidenten für Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeitsstrategie. Patrick Held nehme seither eine wichtige Brückenfunktion zwischen Studierenden, Lehrenden und Verwaltung ein.

„Im Vergleich zu anderen Universitäten mögen wir also noch am Anfang stehen, aber dank unseres kombinierten Top-Down- und Bottom-Up-Ansatzes und der Mitwirkung der Verwaltung konnten wir in kürzester Zeit wichtige Fortschritte in verschiedenen Handlungsfeldern der Nachhaltigkeit für uns und die Region erreichen.“

In seiner Dankesrede gab der Universitätspräsident einen kurzen Überblick über die bisherigen Errungenschaften eines ‚Green Campus‘ Universität Bayreuth:

  • Handlungsfeld Biodiversität
    Beispiel Wildwiesen: Auf dem Campus wüchsen nunmehr bestimmte Wiesen wild, so Prof. Leible, das sei nicht nur gut für die Biodiversität, sondern spare dem Technischen Dienst Arbeit und dem Kanzler Geld.
  • Handlungsfeld Emissionsmanagement
    Beispiel CO2 Radfahr-Challenge: Durch eine Forschungskooperation mit dem Startup-Unternehmen changers.com aus Potsdam wurde an der Universität Bayreuth ein Wettbewerb etabliert, der Studierende und Mitarbeiter motiviert, öfter aufs Rad zu steigen oder zu Fuß zu gehen. Mithilfe einer App oder durch die manuelle Erfassung in einer Online-Plattform werden gemeinsam Kilometer gesammelt und dafür Bäume gepflanzt. Für ihre Leistungen erhalten die Teilnehmer den Zugang zu Prämien, wie bspw. Konzertgutscheine für das UniOpenAir auf dem campus oder Gutscheincodes von Ökostromanbietern. Die CO2-Challenge, so der Universitätspräsident, trage damit nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern auch zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.
  • Handlungsfeld Share Economy & Technologietransfer
    Beispiel E-Carsharing: In Kooperation mit dem Bamberger Verein Ökobil e.V. bzw. Meiaudo wurde im April 2016 Carsharing eingeführt. „Wir hoffen, dies 2017 ausweiten zu können, indem wir unsere Campuscard mit etablierten Carsharing-Systemen wie Flinkster koppeln, um so Studierende von Beginn an mit dem Megatrend Share Economy vertraut zu machen“, erläuterte Prof. Leible.


Bedeutung von Fairtrade und dieses Wettbewerbes für interne Strukturen

„Nun erreicht unserer Weg zum Green Campus durch die heutige Auszeichnung als Fairtrade University seinen vorläufigen Höhepunkt, der durch die engagierte Zusammenarbeit im  Handlungsfeld Globales Denken und lokales Handeln möglich wurde. Fairtrade bedeutet für uns dabei weit mehr als ein gutes Gefühl beim Genuss von Lebensmitteln zu haben. Es verbildlicht unsere globale Verantwortung für die Lebensbedingungen aller Menschen, sei es der Milchbauern in Franken oder der Kaffeebauern in Brasilien. So wie unsere Forschung global wirkt, wirkt auch unser Konsum – und wir als Universität Bayreuth wollen uns dieser Verantwortung stellen“, versprach Universitätspräsident Prof. Leible.

Der Weg zur Fairtade University, so der Redner, verändere auch interne Denkmuster, indem sich viele Bereiche der Verwaltung und lokale Stakeholder, wie an der Universität Bayreuth die Firma Dallmayr, intensiv mit dem Thema beschäftigen mussten. „Hier wirkt unser Anstoß in die gesamte Region; denn Dallmayr-Automaten aus Bayreuth stehen in ganz Nordbayern.

Somit möchte ich Sie alle ermuntern, sich diesem Prozess hin zur Fairtrade University zu stellen; denn er wird Sie als Hochschule, als Repräsentant von zukunftsorientiertem Denken, intern und extern stärken“, schloss Prof. Leible seine Dankesworte anlässlich der Auszeichnung, nicht ohne noch einen Appell an die Vertreter der Ministerien des Freistaats zu richten, Universitäten feste Stellen für zentral verantwortliche Personen für Nachhaltigkeit auf dem Campus zuzuweisen, denn „Nachhaltigkeit an bayerischen Universitäten muss nachhaltig finanziert sein!“

Hintergrundinformationen

Unfaire Handelsbeziehungen und Armut treffen oft die Menschen am meisten, die uns Tag für Tag den Tisch decken: Kleinbauern und Beschäftigte, die uns mit Kaffee, Kakao, Bananen, Tee, Reis und vielen anderen Produkten versorgen. Sich darüber Gedanken zu machen, woher diese Produkte kommen und unter welchen Umständen sie produziert wurden, ist wichtig. Mit unserem täglichen Konsum können wir mitbestimmen und diesen weltweit mittlerweile 1,5 Millionen Kleinbauern (was ca. 7 Millionen Menschen inkl. der Familien entspricht) zu einem menschenwürdigen, selbstbestimmten Leben verhelfen.

Wofür steht Fairtrade?

Fairtrade steht für stabile Mindestpreise, als Sicherheitsnetz gegen schwankende Weltmarktpreise, und für zusätzliche Sozial-Prämien für Investitionen in bspw. Schulen, Kliniken und Ausbildung. Selbstbestimmtheit und Mitbestimmung sind wesentliche Inhalte des Fairen Handels, denn bei Fairtrade sitzen die Produzenten als gleichberechtigte Entscheider mit im Boot. Die Wirksamkeit von Fairtrade wurde erst kürzlich durch die Stiftung Warentest bestätigt, denn sie bewertet ‚Fairtrade‘ als besonders vertrauenswürdiges Label mit hoher Aussagekraft.

„Der Faire Handel ist kein Allheilmittel gegen alle Ungerechtigkeiten der Welt, aber er trägt dazu bei, die Position von Kleinbauernorganisationen und Plantagenarbeitern zu stärken. Entwicklung braucht viele Menschen, Menschen wie Sie alle, die aktiv werden. Denn ‚Fairer Handel‘ kommt vom Handeln! Das Tolle am Fairen Handel ist, dass jeder von uns ganz konkret etwas tun kann, zum Beispiel durch den täglichen Einkauf – und das machen auch immer mehr Menschen“, sagte Hannah Ursula Rüther anlässlich der Urkundenübergabe an Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible. Sie ist Entwicklungspolitische Referentin und Externe Referentin der Fairtrade Towns und Fairtrade Schools Kampagnen Region Süddeutschland, TransFair e.V. Köln, sowie Gesundheitsberaterin.

Die Kampagne Fairtrade Universities

Als Fairtrade University können sich seit 2014 alle Universitäten und Hochschulen in Deutschland bewerben. Die Auszeichnung Fairtrade University vergibt Transfair e.V., eine unabhängige Initiative zur Förderung des fairen Handels in Deutschland. Transfair e.V. hat die Kampagne Fairtrade Universities ins Leben gerufen mit dem Ziel, mehr Fairness auf den Unicampus zu bringen. Nach zwei Jahren erfolgt eine Überprüfung, ob die Kriterien noch erfüllt sind.

Nach der Universität des Saarlandes dürfen sich die Universitäten Rostock und Leipzig, die Leuphana Universität Lüneburg, die Hochschule Aalen sowie die European Business School Hamburg als Fairtrade University bezeichnen. Die Universität Bayreuth wird nunmehr die siebente im Bunde und dabei die erste im Freistaat Bayern sein.

Fairtrade Universities gibt es nicht nur in Deutschland, sondern weltweit auch in Großbritannien (hier hatte die Initiative 2003 ihren Ursprung), Neuseeland, Australien, Costa Rica und Spanien. Die Kampagne verbindet also nicht nur lokal und überregional, sondern auch international – mit dem Label Fairtrade University wird die Universität Bayreuth diesem internationalen Netzwerk für fairen Handel angehören!

Kriterien für eine Fairtrade University – an der Universität Bayreuth bisher umgesetzt:

Hochschulbeschluss
Die führenden Gremien von Studierendenschaft und Universität fassen einen gemeinsamen Beschluss zur Fairtrade University. Festgehalten wird das Bestreben, alle Kriterien der Kampagne zu erfüllen und den fairen Handel als festen Bestandteil in die Hochschulpolitik zu verankern.

An der Universität Bayreuth
Den Anstoß, eine zur Fairtrade University zu werden, gab Ende 2015 Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible. Der formale Beschluss der gesamten Hochschulleitung erfolgte dann einstimmig am 23. Februar 2016.

Steuerungsgruppe
Eine Steuerungsgruppe – mindestens drei Personen aus Studierendenschaft, Hochschulverwaltung und gastronomischen Betrieben – koordiniert alle Aktivitäten auf dem Weg zur Fairtrade University.

An der Universität Bayreuth
Die Steuerungsgruppe setzte sich aus folgenden Akteuren zusammen:

  • Patrick Held als Persönlicher Referent des Präsidenten in koordinierender und sprechender Funktion für die Gruppe,
  • BD Reinhard Schatke, Umweltbeauftragter der Universität und Leiter der Zentralen Technik,
  • Leon Leichsenring vom Studentenwerk Oberfranken und Leiter der Verwaltung Verpflegungsbetriebe,
  • Anna Oertwig – Sprecherin des Studierendenparlamentes für Technik, Umwelt und Studentenwerksbelange und
  • Laura Schürer als Vorsitzende von Oikos e.V. mit einem starken Team von Fairtrade-Freunden im Rücken.

Fairtrade-Produkte bei offiziellen Veranstaltungen und Sitzungen
Hier werden mindestens zwei Fairtrade-Produkte angeboten.

An der Universität Bayreuth
Seit April 2016 sind alle Sitzungen von Senat, Hochschulrat und Hochschulleitung mit Fairtrade Kaffee und Gebäck ausgestattet.

Fairtrade-Produkte in Geschäften und Gastronomie
Mindestens zwei Fairtrade-Produkte sind auf dem Campus verfügbar.

An der Universität Bayreuth
Mensa und Cafeteria verfügen bereits seit langem über reinen Fairtrade Kaffee und Kakao sowie über verschiedene GEPA Schokoladen. Im April 2016 wurden groß teils auf dem Campus auch die Heißgetränk- und Snack-Automaten der Firma Dallmayr mit Fairtrade-Produkten ausgestattet.

Veranstaltungen rund um Fairtrade
Auf dem Campus finden regelmäßig, mindestens aber einmal pro Quartal, Veranstaltungen rund um das Thema Fairtrade statt.

An der Universität Bayreuth
In den ersten beiden Quartalen 2016 fanden mehrere Veranstaltungen rund um Fairtrade statt: Neben den monatlichen Green Campus Ständen in der Mensa gab es u.a. den Umwelttag am Internationalen Earth Day und ‚Die größte Kaffeepause der Welt‘, durchgeführt von Oikos e.V.


www.uni-bayreuth.de/de/campusleben/green_campus

www.fairtrade-deutschland.de


Kontakt:

Patrick Held
Persönlicher Referent des Präsidenten für Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeitsstrategie
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / B9
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-3514; Mobil: 0157 / 79 25 52 14
E-Mail: patrick.held@uni-bayreuth.de
www.uni-bayreuth.de/de/campusleben/green_campus



Redaktion:


Brigitte Kohlberg
Pressesprecherin
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30 / ZUV
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 / 55-5357 oder -5324
E-Mail: pressestelle@uni-bayreuth.de
www.uni-bayreuth.de/de/universitaet/presse/kontakt

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