Druckansicht der Internetadresse:

Seite drucken

Wenn der Staat die Wirtschaft in die Krise treibt – Bayreuther Wirtschaftswissenschaftler erhält Fürther Ludwig-Erhard-Preis

zurück zu Pressemeldungen


Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 107/2016 vom 29. Juni 2016

Der Bayreuther Ökonom Dr. Stefan Hähnel ist mit dem renommierten Fürther Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet worden. Mit diesem jährlich vergebenen Preis würdigt der Ludwig-Erhard-Initiativkreis Fürth e.V. wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten, die nicht bei theoretischen Überlegungen stehen bleiben, sondern praxisnah sind, einen wirtschaftlichen Nutzen haben und die Auswirkungen ökonomischer Prozesse auf die Gesellschaft in Betracht ziehen. Die Forschungsergebnisse sollen die Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft, wie sie der frühere Bundeskanzler und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard erfolgreich umgesetzt hat, innovativ weiterentwickeln.

iconZoomOverlay

Dr. Stefan Hähnel, der an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth forscht und lehrt, erhielt den mit 4.000 Euro dotierten Preis für seine 2016 veröffentlichte Doktorarbeit zu den Ursachen und Folgen der weltweiten Finanzkrise 2007 – 2009.

Bei einer Feierstunde am 27. Juni 2016 im Stadttheater in Fürth nahm
er die Auszeichnung aus den Händen von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble entgegen. Dieser betonte in seiner Festansprache ausdrücklich die Aufgabe der Wirtschaftswissenschaften, sich mit ökonomischen Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen und ihre Expertise in Lösungsvorschläge einzubringen, die realistisch sind und sich am Gemeinwohl orientieren. Der Preisträger aus Bayreuth habe gerade in dieser Hinsicht Hervorragendes geleistet. Seine Dissertation enthalte wichtige Anregungen zur Vermeidung internationaler Finanzkrisen, indem sie den Blick für deren Ursachen schärfe.

iconZoomOverlay

Institutionelle Rahmenbedingungen als Krisenursache

In seinen Analysen zeigt Dr. Stefan Hähnel, wie institutionelle Rahmenbedingungen die Entstehung und Ausweitung von Finanzkrisen begünstigen, ja sogar auslösen können. Dies gelte insbesondere für die Krise der Jahre 2007 bis 2009, die ursprünglich vom U.S.-amerikanischen Immobilienmarkt ausging. In Politik und Medien sei deren Eskalation zur weltweiten Krise größtenteils einem Versagen der Märkte und dem Gewinnstreben einzelner Marktteilnehmer angelastet worden. „In Wahrheit liegt die Ursache jedoch in politischen Fehlsteuerungen. Je genauer man die Entwicklungen analysiert, desto deutlicher sieht man: Dass diese Finanzkrise sich vertiefen und wie ein Flächenbrand ausweiten konnte, lag wesentlich an institutionellen Rahmenbedingungen, die von den politisch Verantwortlichen unangemessen ausgestaltet wurden“, so der Bayreuther Ökonom.


Warnung vor kurzfristig motivierten Eingriffen des Staates

Dr. Stefan Hähnel, der mit seiner preisgekrönten Arbeit das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft stärken will, widerspricht nachdrücklich populären Forderungen, dass der Staat tiefer in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen solle. Oftmals seien es gerade von kurzfristigen Interessen geleitete Interventionen, die den Boden für künftige Funktionsstörungen der Märkte bereiten. Seine Warnung: „Wenn diese Störungen erneut mit dem spontanen öffentlichen Ruf nach politischen Steuerungen des Wirtschaftsgeschehens beantwortet werden, droht eine krisenhafte Abwärtsspirale.“ Diese gelte es durch eine langfristig orientierte und adäquat ausgestaltete Regulierung zu verhindern. In einer solchen Stabilisierung der Finanzmärkte sieht Dr. Stefan Hähnel eine der wichtigsten politischen Aufgaben der Gegenwart.

Weitere Informationen:

www.uni-bayreuth.de/de/universitaet/presse/pressemitteilungen/2016/046-finanzkrise


Veröffentlichung:

Stefan Hähnel, Die Finanzkrise 2007-2009: die Krise als nicht intendiertes Resultat unangemessener institutioneller Rahmenbedingungen. Bayreuth, 2016
(NMP, Aktuelle Fragen der Wirtschaftspolitik; Band 3).


Kontakt:

Dr. Stefan Hähnel
Lehrstuhl VWL V – Institutionenökonomik
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30
95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 / 55-6044
E-Mail: stefan.haehnel@uni-bayreuth.de


Text und Redaktion:

Christian Wißler, M.A.
Zentrale Servicestelle Presse, Marketing und Kommunikation
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 / 55-5356
E-Mail: mediendienst-forschung@uni-bayreuth.de

Facebook Twitter Youtube-Kanal Instagram Blog Kontakt