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Crystal Meth: Studierende untersuchen Netzwerke von Handel und Konsum im deutsch-tschechischen Grenzgebiet

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 068/2015 vom 24. April 2015

In welchem Umfang und auf welchen Wegen wird die Droge Crystal Meth in Oberfranken produziert, konsumiert und verbreitet? Welche Akteure sind daran beteiligt und welche räumlichen Strukturen werden dabei genutzt? Diese Fragen haben Studierende des Bayreuther Masterstudiengangs „Humangeographie – Stadt- und Regionalforschung“ im Rahmen eines Studienprojekts untersucht. Auch die Drogenpolitik in Deutschland und Tschechien, von der Gesetzgebung bis hin zu Präventionsmaßnahmen, sowie die mediale Berichterstattung haben sie dabei in den Blick genommen. Prof. Dr. Martin Doevenspeck vom Geographischen Institut der Universität Bayreuth hat das Studienprojekt geleitet.

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„Die Studie zeigt, dass ein erheblicher Forschungsbedarf zu dieser drängenden Problematik besteht,“ erklärt Prof. Doevenspeck. „Unsere Untersuchungen machen deutlich, dass es sich bei der Produktion und Verbreitung von Crystal Meth um eine grenzüberschreitende Herausforderung handelt, der sich Deutschland und Tschechien gemeinsam gegenüber sehen. Denn im Westen von Tschechien werden offensichtlich erhebliche Mengen der Droge hergestellt und nicht nur vor Ort vertrieben, sondern auch über die bayerische Grenze nach Deutschland exportiert.“ Damit die rechtlichen und polizeilichen Voraussetzungen für eine effektive Bekämpfung des Crystal Meth-Handels gestärkt werden, empfehlen die Autoren der Studie, Vereinbarungen zwischen beiden Ländern konsequent umzusetzen und auszuweiten.

Darüber hinaus sollten aus ihrer Sicht weitere Forschungsarbeiten folgen, um mehr gesicherte Informationen über die sozialen und wirtschaftlichen Gründe für die Produktion, den Vertrieb und den Konsum von Crystal Meth zu gewinnen. An diesen Prozessen haben – wie die Studie belegt – die sogenannten „Asia-Märkte“, die von vietnamesischen Bevölkerungsgruppen in den Städten Cheb und Aš betrieben werden, einen erheblichen Anteil. Diese Märkte sind Zentren eines verdeckten Handels, der sich dem Zugriff der Polizei entzieht und deren Strukturen auch den Bayreuther Studierenden trotz ihrer intensiven Beobachtungen vor Ort weitgehend verschlossen blieben.

 „Unsere Master-Studierenden haben eine sehr engagierte Feldforschung in Oberfranken und in Tschechien betrieben“, erklärt Prof. Dr. Martin Doevenspeck, der Politische Geographie an der Universität Bayreuth lehrt. „Sie haben Polizeistatistiken und einen Fragebogen ausgewertet, den sie zuvor bundesweit an weit über 800 Suchtberatungsstellen verschickt hatten; hinzu kamen Interviews mit Konsumenten, Ärzten, Polizei und Zoll. Die Untersuchung will dazu beitragen, dass die Crystal Meth-Problematik in Oberfranken künftig realistisch und ohne reißerische Übertreibungen wahrgenommen und dargestellt wird.“

Wie die in die Studie integrierte Auswertung der Medienberichterstattung deutlich macht, kann in der Öffentlichkeit leicht der Eindruck entstehen, Oberfranken sei ein Zentrum des Crystal Meth-Handels in Deutschland. Franken wird in den Medien sogar als „Hochburg“ bezeichnet, Bayreuth erhält gelegentlich das Etikett „Kristall-Stadt“. Doch wenngleich aus den Polizeistatistiken hervorgeht, dass eine auffallend hohe Zahl von Konsumenten oder Händlern in den Regionen Oberfrankens aufgegriffen und festgenommen wird, warnen die Autoren vor voreiligen Übertreibungen. Viele der in Oberfranken festgenommenen Personen stammen nicht aus Oberfranken, sondern verteilen sich auf das gesamte Bundesgebiet. Und dass polizeiliche Erfolge, die bei der Drogenkriminalität insbesondere auch in Oberfranken erzielt werden, sich häufig nicht in den Medien widerspiegeln, liegt nach Einschätzung der Bayreuther Studierenden nicht zuletzt daran, dass diesbezügliche Statistiken sich auf den gesamten bayerischen Raum beziehen.

Aus den Polizeistatistiken und den Interviews mit deutschen Suchtberatungsstellen geht hervor, dass vor allem junge Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren für den Konsum von Crystal Meth anfällig sind – insbesondere dann, wenn sie einen vergleichsweise niedrigen Bildungsabschluss haben. Unter den jüngeren Konsumenten ist der Anteil der Lehrlinge und Berufsschüler besonders hoch. Gerade vor diesem Hintergrund empfehlen die Autoren eine Drogenpolitik, die viel stärker als bisher auf umfassende Aufklärung abzielt und sich dabei insbesondere an diese Konsumentengruppen wendet. Eine Ausweitung von polizeilichen Kontrollen allein sei wenig geeignet, um den Handel mit Crystral Meth dauerhaft zurückzudrängen.


Kontakt:

Prof. Dr. Martin Doevenspeck
Geographisches Institut
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-2273
E-Mail: doevenspeck@uni-bayreuth.de



Text und Redaktion:


Christian Wißler M.A.
Stabsstelle Presse, Marketing und Kommunikation
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-5356
E-Mail: mediendienst-forschung@uni-bayreuth.de

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