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Land- und Forstwirtschaft schützen den Regenwald: Studie untersucht Landnutzungs-Konzepte in tropischen Bergwäldern

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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 227/2014 vom 26. November 2014

Wie lässt sich die Abholzung von tropischen Regenwäldern eindämmen? Ein Ansatz ist, aufgegebenes Kulturland wieder nutzbar zu machen, wie ein internationales Forschungsteam in Nature Communications zeigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten Bergregionen in Ecuador: Dort war neben der Aufforstung die intensive Graslandnutzung besonders erfolgreich. Beide Konzepte haben nicht nur eine günstige Ökobilanz, sondern auch klare wirtschaftliche Vorteile.

Panorama mit aufgeforsteten Kieferplantagen und Viehweiden.  Foto: Jörg Bendix / Universität Marburg; nur mit Autorangabe zur Veröffentlichung frei. iconZoomOverlay

Jährlich verschwinden 130.000 Quadratkilometer Regenwald von der Erde – das entspricht der Fläche Griechenlands. Die gerodeten Gebiete werden größtenteils landwirtschaftlich genutzt. Dies gilt auch für die Regenwälder im tropischen Hochgebirge. Allerdings wird das Land schnell wieder mit Unkraut, insbesondere Adlerfarn, überwuchert. Adlerfarn, der in den Tropen oft bis zu 3 Meter hoch wächst, lässt sich weder mit Unkrautvernichtungsmitteln noch durch Abbrennen dauerhaft entfernen.


Die Brandrodung von Regenwäldern ist eine weit verbreitete Praxis, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen.  Foto: Jörg Bendix / Universität Marburg; nur mit Autorangabe zur Veröffentlichung frei. iconZoomOverlay

Prof. Erwin Beck von der Universität Bayreuth, Seniorautor der neuen Studie, hat zusammen mit einer Doktorandin bereits vor einigen Jahren festgestellt, wie aufwändig es ist, die Invasion des Adlerfarns zurückzudrängen. Die Farmer geben das Land häufig nach wenigen Jahren wieder auf, um neue Waldflächen kahl zu schlagen.

"Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen", sagt Prof. Thomas Knoke vom Fachgebiet für Waldinventur an der Technischen Universität München, der an der jetzt veröffentlichten Studie ebenfalls maßgeblich beteiligt war. "Wir haben daher untersucht, ob und wie sich aufgegebene Viehweiden rekultivieren lassen."

Die verschiedenen Konzepte wurden nicht nur nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet. Erstmals flossen auch ökologische und soziokulturelle Kriterien ein. Dazu zählten zum Beispiel die Bindung von Kohlen- und Stickstoff in der Pflanze und im Boden, die Biomasse-Produktion, die Bodenqualität, die Klimawirksamkeit und der Wasserhaushalt sowie die Akzeptanz durch die Landwirte.

Mit dieser Klimastation messen Wissenschaftler das Mikroklima auf den Weide- und Aufforstungsflächen. Die Wetterdaten werden genutzt, um die Auswirkungen der verschiedenen Landnutzungsoptionen auf Wasser und Klima zu berechnen.  Foto: Jörg Bendix / U iconZoomOverlay

Nachhaltige Landnutzung

Das Untersuchungsgebiet (circa 150 Hektar) befindet sich in den ecuadorianischen Anden auf einer Höhe von 1.800 bis 2.100 Metern. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten fünf verschiedene Konzepte:

  • keine Bewirtschaftung – aufgegebene Weideflächen bleiben sich selbst überlassen,

  • forstwirtschaftliche Nutzung – Bepflanzung mit einer einheimischen Erlenart,

  • forstwirtschaftliche Nutzung – Bepflanzung mit einer eingeführten Kiefernart,

  • extensive Weidenutzung – mechanische Unkrautbekämpfung, dann Nutzung nach anfänglicher Düngung,

  • intensive Weidenutzung – chemische Unkrautbekämpfung, dann Nutzung mit regelmäßiger Düngung.

Als besonders günstig erwies sich die Aufforstung mit Erlen und Kiefern. Langfristig schützen bewaldete Regionen auch am besten vor Erosion. "Außerdem hat unsere Studie gezeigt, dass die Aufforstung mit der einheimischen Andenerle die Klima- und Wasserregulation deutlich günstiger beeinflusst als die anderen Nutzungsoptionen“, erklärt Projektsprecher Prof. Jörg Bendix von der Universität Marburg.

Mitspracherecht für die Landwirte – ein wichtiger Bewertungsfaktor

In den aufgeforsteten Regionen können sich zudem nach und nach wieder typische Pflanzen und Tiere des Regenwalds ansiedeln. Intensiv genutzte Viehweiden erzielten einen deutlich besseren ökologischen Wert als die extensive Weidenutzung. Der wirtschaftliche Nutzen ergibt sich durch den Verkauf von Holz (Aufforstung) oder von Fleisch und Milch (Viehweiden). Dabei erzielten Erlenplantagen die größten Erträge.

Wegen der besseren Ökobilanz von Wäldern und den langfristig besseren Verdienstmöglichkeiten sehen auch die meisten Viehhalter die Aufforstung als bevorzugte Nutzungsoption – so das Ergebnis einer Befragung. Das internationale Forschungsteam ist sich einig: Um den Erfolg von Rekultivierungskonzepten zu sichern, sollten immer auch die Landnutzer einbezogen werden. “Derzeit laufen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Projekte, um die Ergebnisse der Studie zusammen mit Landwirten in Ecuador umzusetzen“, berichtet Prof. Erwin Beck, der bis zu seiner Emeritierung an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie innehatte. Er hat in Ecuador vor 17 Jahren die Forschung im tropischen Bergwald initiiert und ist auch an den aktuellen Projekten beteiligt.

Modellcharakter für andere tropische Hochlandregionen

Die vorgeschlagenen nachhaltigen Nutzungsansätze sind mit Kosten verbunden. Über 20 Jahre gerechnet haben die Farmer bei Verzicht auf Brandrodung jedes Jahr geringere Einnahmen: 87 US-Dollar pro Hektar bei der Aufforstung und 100 US-Dollar pro Hektar bei intensiver Weidenutzung. Nach Ansicht des Forschungsteams bilden Ausgleichszahlungen für die Rekultivierung einen wichtigen Anreiz, um frühere Weideflächen neu zu bepflanzen. Langfristig könnte hier der Handel mit CO2-Zertifikaten eine zusätzliche Einnahmequelle bieten.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die Studie auch als Modell für die Bewertung von Rekultivierungskonzepten in anderen tropischen Bergwäldern, zum Beispiel in Brasilien oder Afrika. "Aufgegebene landwirtschaftliche Flächen bilden eine riesige, bislang ungenutzte Ressource“, resümiert Prof. Thomas Knoke.


Homepage des Projekts:

http://www.tropicalmountainforest.org


Veröffentlichung:

Thomas Knoke, Jörg Bendix, Perdita Pohle, Ute Hamer, Patrick Hildebrandt, Kristin Roos, Andrés Gerique, María L. Sandoval, Lutz Breuer, Alexander Tischer, Brenner Silva, Baltazar Calvas, Nikolay Aguirre, Luz M. Castro, David Windhorst, Michael Weber, Bernd Stimm, Sven Günter, Ximena Palomeque, Julio Mora, Reinhard Mosandl & Erwin Beck,
Afforestation or intense pasturing improve the ecological and economic value of abandoned tropical farmlands;
Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms6612.

An der Studie beteiligten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgender Institutionen: Technische Universität München; Universität Bayreuth; Universität Marburg; Universität Erlangen/Nürnberg; Technische Universität Dresden; Justus Liebig Universität Gießen; National University of Loja, Ecuador; Universidad Técnica Particular de Loja, Ecuador; FLACSO, Quito, Ecuador; CATIE, Turrialba, Costa Rica.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (Forschungsbereiche 402 und 816).


Kontakt:

Prof. Dr. Erwin Beck
Pflanzenphysiologie
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 / 55-3037
E-Mail: erwin.beck@uni-bayreuth.de


Text und Redaktion:

Christian Wißler M.A.
Stabsstelle Presse, Marketing und Kommunikation
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 / 55-5356
Fax: +49 (0)921 / 55-5325
E-Mail: mediendienst-forschung@uni-bayreuth.de
 

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